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"Unger Fründe" - Bernard Kyere Mensah: "Ich traue uns alles zu"

Im Sommer kam Bernard Kyere Mensah von der U23 des 1. FC Kaiserslautern zur Fortuna. Schnell fightete sich der zweikampfstarke Innenverteidiger in die Stammelf und rechtfertigte so die Vorschusslorbeeren von Fortuna-Trainer Uwe Koschinat. Zusammen mit Christoph Menz bildet der sympathische 22-Jährige eines der besten Innenverteidigerpaare der 3. Liga. Im Interview mit Tobias Gonscherowski spricht der 1,88-Meter-Mann über seine Eingewöhnungszeit bei Fortuna, die Aufstiegschancen, sein Vorbild Antonio Rüdiger und seinen Respekt vor seinem Mitspieler Moritz Fritz.

Bernard, Du bist im Sommer zu Fortuna Köln gewechselt und hast ein paar Spiele gebraucht, um Dich in die Stammelf zu kämpfen. Wie groß war die Umstellung von der Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern U23 auf die 3. Liga?
Bernard Kyere Mensah: Die 3. Liga ist ein anderes Kaliber. Es wird körperlicher gespielt als in der U23 des FCK. Das war für mich die größte Umstellung. Die Zweikämpfe sind intensiver. Es geht mehr zur Sache, es ist Männerfußball. Ich musste mich erst noch etwas körperlich stabilisieren und dann auch im taktischen Bereich das umsetzen, was der Trainer wollte. Es ist nicht so einfach, die Idee eines Trainers zu verinnerlichen. Ich habe dafür etwas gebraucht, wurde dann aber von Woche zu Woche besser.

Der Trainer hat Dich bei Deiner Verpflichtung gelobt und gesagt: "Bernard ist ein körperlich präsenter Innenverteidiger, der immer den Weg in den Zweikampf sucht. Unsere zweikampfgeprägte Art und sein Spielstil sollten gut zusammenpassen."
BKM: So hat er sich auch in unseren Gesprächen geäußert. Er hat gemeint, dass ich meine robuste Zweikampfhärte auch ins Spiel einbringen soll.

Fortuna hat aus den ersten drei Partien des neuen Jahres fünf Punkte geholt, ein Spiel gewonnen, zwei Unentschieden und zweimal zu null gespielt. Ist die Ausbeute okay?
BKM: Wenn man die drei Spiele betrachtet sind die fünf Punkte im Große und Ganzen okay. Mit ein bisschen Glück wäre mehr drin gewesen. Aber dafür haben wir gegen Jena auch ein bisschen Dusel gehabt.

Ihr seid mit bereits acht Unentschieden die Remiskönige der 3. Liga. Müsste die Mannschaft manchmal mehr Risiko gehen?
BKM: Im Spiel muss man immer abwägen und spielt dann lieber unentschieden als zu verlieren. Es kommt, wie es kommt.

Erzähl uns ein bisschen über Deinen Werdegang.
BKM: Ich wurde in Ghana geboren und bin mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Mein erster Verein war Blau-Weiß Wiehre in Freiburg. Dort habe ich bis zur U16 gespielt. Mit 16 bin ich dann ins Jugendinternat des 1. FC Kaiserslautern gegangen. Ich habe von der U17 bis zur U23 fünf Jahre beim FCK gespielt. Ich habe auch einige Male unter dem damaligen Trainer Kosta Runjaic mit den Profis mittrainieren können. Dann kam ich durch eine Verletzung aus dem Rhythmus. Obwohl mir der Verein auf Sicht die 2. Liga zugetraut hat, wollte ich jetzt lieber mit Fortuna in der 3. Liga spielen.

Seit dem Winter hast Du jetzt mit Christoph Menz einen neuen Innenverteidiger an Deiner Seite. Wie schnell habt Ihr Euch aneinander gewöhnt, wer gibt die Kommandos?
BKM: Christoph bringt eine unheimliche Erfahrung mit, die man im Training und in den Spielen sofort sieht. Er hat das Kommando, regelt alles und übernimmt Verantwortung. Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Ich bin noch jung, ich nehme alles an, was er sagt. Er gibt mir auch Hilfestellungen. Man merkt, dass er im Fußball schon viel erlebt hat. Ich versuche, mir so viel wie möglich bei ihm abzugucken.

Mit welcher Einstellung geht Ihr in die kommenden Spiele? Geht der Blick Richtung Platz 3?
BKM: Es ist noch viel zu früh, um großartig herumzurechnen. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Wenn wir fünf Runden vor Schluss immer noch oben dabei sind, dann beschäftigen wir uns damit und geben noch mehr Gas. Wir haben in der Liga noch viele Spiele vor der Brust, alle Partien sind wichtig. Die Spiele gegen Topmannschaften wie unseren nächsten Heimspielgegner Wehen Wiesbaden haben dann noch einmal einen besonderen Reiz. Ich traue uns alles zu. Wir können gegen jede Mannschaft gewinnen, wenn wir unsere beste Leistung abrufen.

Wie schnell hast Du Dich in Köln eingelebt?
BKM: Am Anfang bin ich noch überall mit dem Navi unterwegs gewesen, egal ob ich gelaufen oder gefahren bin. Mittlerweile kenne ich mich in meiner Ecke aber gut aus. Die Mannschaft hat mir die Eingewöhnung durch ihre offene und herzliche Art sehr leicht gemacht. Vom ersten Tag an habe ich mich im Verein und in der Stadt sehr wohl gefühlt.

Wie oft bist Du noch in Ghana?
BKM: Kaum noch. Ich habe zwar noch den ghanaischen Pass, bin aber kurz vor meiner Einbürgerung in Deutschland.

Wie nimmst Du Kevin-Prince Boateng war, einer der in Deutschland vielleicht bekanntesten Spieler Ghanas? Ist er ein Vorbild auch mit seinem Engagement gegen Rassismus?
BKM: Charakterlich unterscheiden wir uns auf jeden Fall. Was er erreicht hat, ist aber schon stark. Als afrikanischer Spieler ist es immer wichtig, klar Stellung zu beziehen. Er ist mutig genug, um den Mund aufzumachen. Das gefällt mir. Zum Glück wurde ich noch nicht angefeindet.

Kommen wir zu unserer beliebten Rubrik der Top 3 und fangen wir mir drei Fragen zum Fußball an. Wer sind für Dich aktuell die drei besten Innenverteidiger?
BKM: Mats Hummels, Antonio Rüdiger gehört dazu, er ist mein Vorbild. Und Jeorme Boateng würde ich nennen.

Wer ist Dein Vorbild wäre die nächste Frage gewesen. Was gefällt Dir an Antonio Rüdiger?
BKM: Er hat eine immense Zweikampfstärke. Er wirkt immer sehr ruhig und konzentriert und erledigt seine Arbeit, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Was ist wahrscheinlicher: Das der 1. FC Köln in der Bundesliga bleibt oder das die Fortuna in die 2. Liga aufsteigt?
BKM: (lacht herzhaft) Wahrscheinlicher dürfte sein, dass wir aufsteigen.

Was sind Deine Top 3 in der Musik?
BKM: Ich höre alles querbeet durcheinander - von Klassik bis Rock. Es kommt immer auf meine Stimmung an und wechselt von Woche zu Woche. Mal höre ich Klassik, mal Pop und Rock der achtziger und neunziger Jahre. Ich bin nicht festgelegt.

Wo hast Du Deine drei schönsten Urlaube verbracht?
BKM: Ich war mal in Porto, da hat es mir gut gefallen. Ich habe dort auch das Stadion besichtigt. Ich war in Palma de Mallorca. Und der Bodensee ist auch sehr idyllisch. Ich will auch noch viel in Deutschland erkunden.

Wenn Du Dich hier beim Fortuna-Sponsor Lax-online so umschaust: Wie gut ist Deine Küche ausgestattet und wie gut kannst Du kochen?
BKM: Ich koche sehr gerne. Ich genieße es, abends nach Hause zu kommen, Musik anzumachen und in der Küche ein bisschen zu schnibbeln. Das ist eine schöne Beschäftigung zum Entspannen und Runterkommen. Meine Küche ist noch nicht ganz so anspruchsvoll ausgestattet.

Was sind ansonsten Hobbies von Dir?
BKM: Ich spiele gerne FIFA. Da bin ich ganz gut, gerade mein Mitspieler Moritz Fritz regt sich immer auf, weil er von 100 Spielen nur eins gewonnen hat. Ich respektiere sehr, dass er trotzdem noch gegen mich antritt. (lacht)

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