Finale ohne Tore, aber voller Dramatik: Fortunas Traum platzt im Elfmeterschießen
Es war das packende Finale eines gnadenlosen Fußball-Fights, der alles in sich trug: Leidenschaft, Kampf, Emotionen und Momente, die den Atem stocken ließen. Matthias Mink: „Es war ein rassiges Spiel. Das Spiel hätte Tore verdient. In der ersten Halbzeit war es mehr ein Abtasten, da waren wir defensiv sehr kontrolliert, nach vorne haben wir nicht ganz so mutig agiert. In der zweiten Halbzeit sind dann Torchancen entstanden, in Summe bei Viktoria ein bisschen mehr. Wie die Jungs in der Verlängerung gelitten und abgeliefert haben, das war unglaublich. Das war ein offener Schlagabtausch mit offenem Visier. Umso dramatischer, dass es im Elfmeterschießen entschieden wird, für uns sehr bitter. Das Positive überwiegt, der Stolz über dieses Jahr und den Weg im Pokal. Wir haben in diesem Spiel gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind.“
Richtig Feuer fing die Partie vor allem in der letzten halben Stunde der regulären Spielzeit. Die Intensität stieg spürbar, jede Aktion schien plötzlich das Spiel entscheiden zu können. Nico Thier scheiterte aus zehn Metern an Schulz (57.). In der 75. Minute machte Lennart Winkler gegen den völlig freistehenden David Otto geschickt den Winkel klein und verhinderte den Rückstand. Nur eine Minute später hielt die Latte Fortuna im Spiel: Yannick Tonye jagte den Ball aus 16 Metern wuchtig an den Querbalken. Im direkten Nachsetzen rettete Neo Telle in höchster Not auf der Torlinie, buchstäblich in letzter Sekunde.
Die Schlussphase entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch voller Dramatik. Vier Minuten vor Schluss parierte Winkler einen strammen Abschluss von Leonhard Münst aus 16 Metern stark, den Nachschuss setzte Taylan Duman hauchdünn am langen Pfosten vorbei. Dann die letzte Minute: Wieder zog Münst ab, wieder war Winkler zur Stelle und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen noch an den Pfosten. Im direkten Gegenzug bot sich Enzo Wirtz die Chance auf die Entscheidung, doch erneut war Schulz Endstation.
In der Verlängerung kämpften beide Teams längst nicht mehr nur gegen den Gegner, sondern auch gegen die eigenen Kräfte. Bei Temperaturen um die 30 Grad schleppten sich viele Spieler an die Belastungsgrenze, Krämpfe bestimmten zunehmend das Bild. Doch aufgeben war keine Option.
Hamadi Al Ghaddioui: „Wenn man schon ins Finale kommt und dann so eine tolle Saison spielt, dann möchte man diese auch krönen mit dem Sieg des Mittelrhein-Pokals. Insofern ist es natürlich enttäuschend. Wir verlieren leider im Elfmeterschießen, bis dahin haben wir ein Top-Spiel gemacht. Wir hatten vorher schon die eine oder andere Chance. Die Kulisse war überragend, das war eine Heimspiel-Atmosphäre, schade auch für die Fans. Wir haben alles reingeworfen, wir können uns nichts vorwerfen. Nächstes Jahr kommen wir wieder.“
Das Elfmeterschießen wurde zum letzten Nervenspiel. Duman, Dietz, Eisenhuth, Tonye und Sachse trafen für Viktoria. Für Fortuna verwandelten Al Ghaddioui, Wirtz, Garcia, Fischer und Michelbrink. Dann trat Galjen an, und scheiterte. Sekunden später brach auf der einen Seite grenzenloser Jubel aus, während auf der anderen nur Leere blieb.
„Die erste Halbzeit waren wir wach im Gegenpressing. In der zweiten Hälfte habe ich bei uns ein klares Chancenplus gesehen. Fortuna hatte auch ein, zwei Hochkaräter. Wir haben aber weiter dran geglaubt. In der Verlängerung haben wir bei 30 Grad nicht mehr alles riskiert. Ich freue mich sehr, dass die Jungs dass am Ende gezogen haben“, sagte Viktoria-Coach Marian Wilhelm.
Fortuna: Winkler, Afamefuna, Fünger (90. Fischer), Al-Azzawe, Telle, Strauch, Stanilewicz (78. Michelbrink), Geerkens (83. Garcia), Thier (112. Galjen), Wirtz, Bornemann (68. Al Ghaddioui).
Zuschauer: 8.263.