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Was Al-Azzawe vom „weißen Pele“ Zico gelernt hat…

Seit Beginn dieser Saison ist David Haider Al-Azzawe in der Innenverteidigung der Fortuna gesetzt. Der 33-Jährige hat insgesamt 281 Spiele in allen vier Regionalligen bestritten. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen in der 4. Liga und seine Zeit in der Nationalmannschaft des Irak gesprochen.

Mit etwas Abstand: Wie erklärst du dir die Niederlage beim FC?

„Wir hatten uns viel vorgenommen und dank der Fans eine großartige Atmosphäre im Stadion. Man muss der Leistung des Gegners an diesem Tag aber Respekt zollen. Die Reserve des FC hat wohl ihr bestes Saisonspiel gezeigt und war extrem effektiv. Sie waren sehr griffig in den Zweikämpfen und hatten starke erste Kontakte im Spielaufbau. Wir selbst haben uns zahlreiche Chancen erspielt, es jedoch nicht geschafft, den Ball über die Linie zu bringen. In dieser Liga ist kein Sieg selbstverständlich. Wir müssen immer am Limit spielen, um etwas Zählbares mitzunehmen und uns auch das nötige Spielglück erarbeiten.“

Nach Niederlagen habt ihr oft stark reagiert. Was erwartest du für das Spiel gegen den SC Wiedenbrück?

„Nach einer Niederlage fiebert man als Fußballer dem nächsten Spiel entgegen, um es besser zu machen. Ich erwarte einen hochkonzentrierten und engagierten Auftritt meiner Mannschaft vor heimischer Kulisse.“

Du hast lange in der Regionalliga Nordost und auch im Südwesten gespielt. Was unterscheidet diese Staffeln von der Regionalliga West?

„In der Nordost-Staffel geht es noch etwas intensiver zur Sache, sowohl auf als auch neben dem Platz. Dort treffen viele Traditionsvereine aufeinander, die um jeden Zentimeter kämpfen. Im Südwesten wurde ein sehr qualitativ hochwertiger Fußball gespielt. Damals ging es unter anderem gegen Mannheim, Saarbrücken und Elversberg. Der Erfolg von Elversberg kam für mich nicht überraschend, weil die Mannschaft unter Horst Steffen über längere Zeit attraktiven und erfolgreichen Fußball gezeigt hat. Große Unterschiede gibt es insgesamt aber nicht. Auffällig ist höchstens, dass im Osten häufiger Wasserwerfer rund ums Stadion stehen, während in der Weststaffel besonders viele Zweitvertretungen vertreten sind.“

Du bist vor dem Spiel immer der Letzte, der die Kabine verlässt, und gehst auch nach dem Aufwärmen als Letzter zurück. Steckt dahinter ein Ritual?

„Vor Heimspielen verlasse ich die Kabine immer als Letzter, weil es unten am Ausgang nur eine Toilette gibt und ich den Jungs den Vortritt lasse. Dass ich nach dem Aufwärmen zuletzt zurückkomme, liegt daran, dass ich noch ein paar Extraübungen mache, um mich optimal vorzubereiten.“

Was viele nicht wissen: Du hast mit dem Irak in der WM-Qualifikation unter Zico gearbeitet. Wie hast du diese Zeit erlebt?

„Diese Zeit war ein absoluter Segen und für mich der Lohn meiner vielen Extraschichten. Wir sind viel gereist, zum Beispiel nach Südkorea, um uns dort zwei Wochen auf das Spiel gegen Japan vorzubereiten, oder nach Schweden für ein Freundschaftsspiel gegen Brasilien. So ein Leben kannte ich vorher nur von der Playstation. Das ist Arbeiten auf höchstem Niveau, bei dem keine Kosten und Mühen gescheut werden, um das Beste aus jedem herauszuholen.“

Wie war Zico als Mensch und Trainer?

„Zico hat in der Nationalmannschaft klare Linien vorgegeben und konsequent durchgegriffen. Abseits des Platzes war er aber sehr herzlich, humorvoll und angenehm im Umgang. Ich denke, er hat einen wichtigen Grundstein dafür gelegt, dass der Irak dieses Jahr bei der WM dabei ist. Teil einer Nationalmannschaft zu sein, ist etwas ganz Besonderes, das wurde mir spätestens bewusst, als ich die leuchtenden Augen meiner Cousins bei einem Besuch vor Ort gesehen habe. Die Menschen im Irak haben schwere Zeiten erlebt, aber ihre Herzlichkeit, Großzügigkeit und ihre Begeisterung für Fußball nie verloren. Ich werde diese Jahre nie vergessen und bin sehr dankbar dafür.“

 

 

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