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Fortuna reist nach Sachsen - Der Chemnitzer FC im Gegnercheck

Fotograf: Florian Fischer

Sechs Punkte nach acht Spieltagen, nur ein Sieg und Platz 19 in der Tabelle – Den Saisonstart hatte sich der Chemnitzer FC sicherlich anders vorgestellt. Auch auf Grund des großen Umbruchs und dem Verlust vieler Leistungsträger wie Philipp Türpitz oder Anton Fink findet sich der CFC momentan am Tabellenende wieder. Das große Problem: Die Defensive. Mit 14 Gegentreffern stellen die Chemnitzer momentan die zweitschlechteste Abwehr der Liga. Und trotzdem gibt es für den Verein genug Gründe, optimistisch zu sein. Denn die vergangenen zwei Spiele gegen den Karlsruher SC und den SV Wehen Wiesbaden zeigen: Chemnitz hat durchaus die Qualität, um in der 3. Liga auch mit den großen Mannschaften mitzuhalten.

Aktuelle Lage

Nur sechs Punkte nach acht Spieltagen, Platz 19 in der Tabelle – Den Saisonstart hatte sich der Chemnitzer FC sicherlich anders vorgestellt. Der bisher einzige Sieg in dieser Saison datiert zurück auf den ersten Spieltag. Gegen den FSV Zwickau gewann die Mannschaft von Trainer Horst Steffen mit 1:0. Danach folgten vier Niederlagen und drei Unentschieden. Gegen Fortuna Köln soll endlich der zweite Sieg eingefahren werden. Die Bilanz spricht dabei eindeutig für die Sachsen: In 18 Spielen gewann der CFC elf gegen die Fortuna, drei Mal trennte man sich unentschieden. Der letzte Kölner Sieg in Chemnitz liegt über 22 Jahre zurück. Allerdings gehen die Formkurven der beiden Teams derzeit weit auseinander. Die Fortuna steht noch ungeschlagen auf dem zweiten Tabellenplatz, während sich der CFC derzeit im Tabellenkeller wiederfindet. Der holprige Start ist wohl besonders auf die Umstellung der Mannschaft durch Coach Horst Steffen zurückzuführen. Der 48-Jährige setzte zu Saisonbeginn auf Offensivfußball im ungewohnten 3-1-2-2-2-System. Zwei Stürmer, zwei Spielmacher und zwei schnelle Außenbahnspieler sollen für die nötige Durchschlagskraft an vorderster Front sorgen. Das gelingt auch weitestgehend. Bei den Auswärtsspielen in Paderborn und Unterhaching erzielten die Sachsen jeweils zwei Tore – und verloren am Ende doch.
Ein Aufwärtstrend ist trotz der ausbleibenden Ergebnisse aber durchaus erkennbar. Bei Wehen Wiesbaden verlor man am vergangenen Spieltag knapp mit 2:1. Die Niederlage wirkt umso bitterer, wenn man sich den Spielverlauf anschaut. Denn in der BRITA-Arena führten die Chemnitzer 86 Minuten lang mit 1:0 gegen die heimstarken Wehener – und das in Unterzahl. Laurin von Piechowski hatte bereits in der 25. Minuten Gelb-Rot gesehen. Innerhalb von sieben Minuten aber verspielte der CFC den Sieg und damit einen wichtigen Befreiungsschlag. Die letzten beiden Spiele haben aber gezeigt, dass die Himmelblauen durchaus in der Lage sind, den großen Mannschaften in der Liga erhebliche Probleme zu bereiten.

Die Qualität auf den Platz bringen

Neben der Systemumstellung ist auch der große personelle Umbruch bei den Himmelblauen ein Hauptgrund für den holprigen Saisonstart. Immerhin gingen mit Anton Fink, Tim Danneberg oder Philipp Türpitz drei Spieler, die in den vergangenen Jahren zu den absoluten Leistungsträgern zählten – nicht nur beim CFC, sondern insgesamt in der 3. Liga. Besonders Türpitz blüht beim 1.FC Magdeburg voll auf. Der 26-Jährige hat mit drei Treffern und fünf Vorlagen bereits jetzt seine Werte von letzter Saison eingestellt. Anton Fink, mit 12 Toren und elf Vorlagen die Lebensversicherung der Westsachsen in der vergangenen Saison, geht inzwischen für den Karlsruher SC auf Torejagd.
Solche hochkarätigen Abgänge aufzufangen ist extrem schwer. Trotzdem bringt Chemnitz in dieser Saison eine schlagfertige Truppe auf den Platz. Daniel Frahn (drei Saisontore) kann in seiner Karriere bereits auf 92 Drittliga- und 34 Zweitligaspiele zurückblicken. Florian Trinks konnte mit Werder Bremen und Greuther Fürth sogar schon Bundesligaerfahrung sammeln. Verteidiger Marc Endres ist bereits seit vier Jahren bei den Himmelblauen und soll als Kapitän und Abwehrchef den Kasten dicht machen. Doch trotz dieser geballten Profierfahrung läuft es beim CFC noch nicht rund. Laut Trainer Steffen ist dies allerdings keine Frage der vorhandenen Qualität. Seine Spieler müssten diese Qualität einfach auf den Platz bringen, um erfolgreich zu sein. Leichter gesagt als getan.

Die Viererkette bringt Sicherheit


Denn neben dem personellen Umbruch gab es auch eine Systemumstellung. Horst Steffen favorisiert das ungewöhnliche 3-1-2-2-2-System, mit zwei Zehnern und zwei Mittelstürmern. Auf Grund dieser offensiven Ausrichtung litt die Defensive zu Saisonbeginn, da die Chemnitzer besonders bei schnellen Gegenstößen anfällig waren. „Wir machen auswärts zwei Tore und bekommen dafür wieder drei oder vier", bemängelte Trainer Steffen schon nach der Pleite in Unterhaching. "Das sind einfach zu viele Gegentore". Insgesamt 14 haben die Chemnitzer nach sechs Spielen kassiert und stellen damit die zweitschlechteste Abwehr der Liga. Auch auf Grund der instabilen Abwehrreihe stellte Trainer Steffen gegen Karlsruhe das System um. Mit einer Viererkette ließ man gegen den KSC kein Tor zu. Auch die Mannschaft fühlte sich in dem gewohnten Spielsystem deutlich wohler. Angesprochen auf das Spiel gegen Karlsruhe sagte Torhüter Kunz nach der Partie: „Das System kennt jeder Spieler, darin musst du nicht zu viel nachdenken. Wir hatten besseren Zugriff in den Zweikämpfen, die Zuordnung fiel leichter. Dieses System passt sehr gut zu unserer momentanen Situation und ebenso zum Charakter der Kampfspiele, die diese Liga dominieren.“ Das einzige Manko: Die zuvor gut funktionierende Offensive leidet unter der defensiven Ausrichtung. Nur ein Tor in den letzten beiden Spielen ist auf Grund der Qualität der Offensivspieler zu wenig.

 

Im Fokus: Florian Hansch

Einer dieser talentierten Offensivspieler ist Florian Hansch. 46 Drittligaspiele, sieben Tore und eine Vorlage – Keinesfalls schlechte Werte für ein gerade mal 22-Jähriges Sturmtalent. „Ich muss meinem Instinkt folgen, dann klappt es, mit Nachdenken wird das nichts". Hansch weiß, wie er sich selbst zu Topleistungen bringen kann.
Der „Blitz“, wie er auf Grund seiner Schnelligkeit genannt wird, gehört dieses Jahr zum Stammpersonal der Chemnitzer und ist aus der Startelf der Himmelblauen nicht mehr wegzudenken. Doch was jetzt wie selbstverständlich erscheint, war vor einigen Jahren keinesfalls abzusehen. 2014/2015 spielte Hansch schon einmal für den CFC. Ein unglückliches Jahr für den jungen Stürmer, in dem er sich selbst wie das „fünfte Rad am Wagen“ im Profiteam der Chemnitzer sah. Deswegen wechselte Hansch nach einer Saison in Westsachsen zu Budissa Bautzen in die Regionalliga. Dort sammelte er Spielpraxis und tankte Selbstbewusstsein. Zurück in Chemnitz überzeugte Hansch sofort mit Leistungen. In 33 Ligaspielen mischte Hansch mit, erzielte sechs Tore und steuerte eine Vorlage bei – Und das obwohl er nur sieben Mal von Anfang an spielen durfte. Die Fans honorierten seine starken Leistungen mit dem 2. Platz bei der Wahl zum Chemnitzer „Spieler des Jahres“. Eine Auszeichnung, die er sehr zu schätzen weiß: „Das ist eine große Ehre“, so Hansch nach der Wahl. „Aber ich hebe jetzt nicht ab. Dafür, dass ich auf dem Boden bleibe, sorgen schon ein paar erfahrene Mitspieler. Und auch meine Eltern.“
Trotz dieser Bodenständigkeit gibt Hansch sich keinesfalls mit der Rolle des Ersatzspielers zufrieden. Er wolle „in der ersten Elf stehen“, so der 22-Jährige. Das gelang ihm diese Saison bereits sieben Mal.
Es wird also schnell klar, dass Hansch mehr als nur ein talentierter Fußballer ist. Er kann die Dinge gut einschätzen, ist bodenständig aber trotzdem zielstrebig – Attribute, die ihn in seiner Karriere noch sehr weit bringen können.  

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