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Erneute Aufstiegsfeier im Südstadion? - Der MSV Duisburg im Gegnercheck

Fotograf: Florian Fischer

Dem MSV Duisburg fehlt noch ein Sieg, um den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga perfekt zu machen. Dabei spielen die Meidericher eine vergleichsweise mäßige zweite Saisonhälfe, schaffen es aber, im Gegensatz zu den Verfolgern, auch in den knappen Spielen zu punkten.

Aktuelle Lage

Nach 36 Spieltagen die meisten Siege (16) der Liga, fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und nur noch ein Sieg bis zum Aufstieg: Der MSV Duisburg grüßt weiterhin von der Tabellenspitze und ist seinem Ziel, dem direkten Wiederaufstieg in Liga zwei, ganz nah. Und doch sind die Männer von Trainer Ilia Gruev momentan alles andere als zufrieden. Denn der Meidericher-Spielverein befindet sich in einem kleinen Formtief: Nur vier Siege aus den letzten zehn Spielen konnte der MSV erringen, zuletzt gab es ein mehr als glückliches 1:1 zu Hause gegen die Sportfreunde aus Lotte. Trotzdem kommen die Zebras wie ein Aufsteiger daher und marschieren als Favorit vorne weg und das seit dem 9. Spieltag. Schaut man aber auf die Zahlen abseits des Punktekontos, ist man irgendwie nur einer von vielen: Kiel, Aalen, Magdeburg, Regensburg, Osnabrück, Großaspach, Chemnitz, Münster – sie alle haben bis dato mehr Tore geschossen als der MSV (44). Selbst die beste Defensive hat man aktuell nicht mehr: Kiel hat sechs Tore weniger kassiert als die Gruev-Elf, die im Jahr 2017 fast doppelt so viele Tore kassiert, wie noch in der Hinrunde. Das Torverhältnis von +13 ist das zweitschlechteste der Top-Fünf Mannschaften der Liga. Entscheidend für den Aufstieg ist aber nicht das Torverhältnis, sondern die Punktezahl. Der MSV kommt mit großer Routine daher und schafft es, die Zähler auch in knappen Spielen zu holen. Erfahrene Akteure wie Kapitän Bajic geben dem Team Sicherheit, Spieler wie Janjic oder Onuegbu wissen, wie die 3. Liga und ein Aufstieg funktioniert – schon vor zwei Jahren waren sie mit an Bord. Diese Routine innerhalb des Teams ist wohl auch der Grund für die Comeback-Qualitäten der Duisburger: 16 Mal geriet man bereits in Rückstand, ganze 22 Punkte holte der Sportverein aus diesen Spielen noch raus – Ligabestwert. Das hängt auch, trotz des hohen Alters im Kader (Im Schnitt 26,9 Jahre), mit dem hervorragenden Fitnesszustand der Spieler zusammen, die es oftmals schaffen, ihre Gegner bis zum Schluss zu bespielen und somit die physischen Vorteile zu ihren Gunsten zu nutzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Sieg gegen den FSV Frankfurt, bei dem der MSV innerhalb von acht Minuten einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg ummünzte und so einen großen Schritt Richtung Aufstieg machte. „Erfahrung ist in kritischen Situationen immer hilfreich“, sagte Trainer Ilia Gruev vor kurzem. Trotz einer punktemäßig eher mäßigen Aufstiegssaison (zum Vergleich: Eintracht Braunschweig hatte 10/11 nach 36 Spieltagen 81 Zähler auf dem Konto) ist es nur noch ein Sieg, den die Zebras aus den kommenden zwei Spielen benötigen – oder eine Niederlage des 1.FC Magdeburg. Sollte das am kommenden Samstag passieren, gibt es ein Deja-Vu im Südstadion: Schon vergangene Saison fand im Kölner Süden eine große Aufstiegsfeier statt, als die Veilchen aus Aue den Aufstieg mit einem 2:0-Sieg gegen die bereits gesicherte Fortuna perfekt machten.

Effektivität als Trumpf – Konkurrenz hilft mit

Genau das gleiche wollen auch die Zebras am Samstag erreichen. Direkte Wiederaufstiege nach einem Abstieg sind für den MSV Duisburg sowieso nichts Ungewöhnliches. Bereits drei Mal kehrten die Meidericher nach einem Abstieg unmittelbar in die höhere Spielklasse zurück – 1993, 1996 und 2007 war dies allerdings die Bundesliga und nicht Liga zwei. Wie die vergangenen drei Male geht der MSV auch diesmal ein finanzielles Risiko ein: Der direkte Wiederaufstieg ist Pflicht, der Kader zu teuer für die 3. Liga: „Wir müssten uns von einigen Leistungsträgern trennen und die Qualität des Kaders wäre nicht mehr die gleiche", betonte Aufsichtsrats-Vorsitzender Jürgen Marbach kürzlich. „Ein Aufstieg würde so in immer weitere Ferne rücken“.
Dabei steht das Unentschieden gegen die Sportfreunde Lotte symbolisch für die gesamte Spielzeit der Zebras. Denn die Duisburger spielen eine, relativ gesehen, mäßige Saison für einen Spitzenreiter. Zwar stehen die Meidericher bereits seit dem 9. Spieltag an der Tabellenspitze. Nur dank der Konkurrenz hat der MSV noch alle Trümpfe in der eigenen Hand. So spielte Verfolger Magdeburg vergangenen Samstag ebenfalls nur 1:1 gegen den FSV Frankfurt, weshalb der Vorsprung auf den Relegationsplatz nicht auf drei Punkte schmolz. Schaut man in der Historie zurück, so ist der MSV mit seinen 62 Punkten nur im Mittelfeld der besten Teams der Drittligageschichte. In der Saison 2011/12 wurde der SV Sandhausen mal Drittliga-Meister mit 66 Punkten - es war die geringste Punkteausbeute eines Meisters in der Drittliga-Historie.
Duisburg kommt über eine geschlossen Mannschaftsleistung. Auf Grundlage der Kaderqualität ging der MSV von Saisonbeginn an als Meisterschaftsfavorit ins Rennen. Allein die Offensivabteilung schreit nach viel individueller Qualität. So gehören Kingsley Onuegbu und Stanislav Iljutcenko zu den besten Sturmduos der Liga (17 Tore, vier Assists). Trotzdem überrascht es, dass Onuegbu und Iljutcenko nur auf Platz 19 und 21 der Torschützenliste stehen. Auch Janjic und Brandstetter findet man in dieser Saison nicht in den Top Ten. Dass die Mannschaft, trotz fehlenden Goalgetters, auf dem ersten Tabellenplatz steht, zeigt laut Gruev auch die „mannschaftliche Geschlossenheit. Für die Torjägerkanone kann man sich als Mannschaft auch nichts kaufen“. Vielmehr punktet man mit dem Faktor Variabilität, den jeder strahlt Torgefahr aus. Hinzu kommt im Mittelfeld der kreative Motor Schnellhardt.

Starke Hinrunde als Basis

Und Gruev hat Recht: Duisburg funktioniert als Team und gibt nie auf. Die Zebras entscheiden im Stile einer echten Spitzenmannschaft die knappen Spiele für sich. Von 16 gewonnenen Partien in dieser Saison gewannen Duisburg zwölf mit nur einem Tor Unterschied. Die schon angesprochenen Comeback-Qualitäten lassen den Glauben innerhalb der Mannschaft nie erlöschen. Ein weiterer Grund ist die starke Hinrunde des MSV. Bereits nach 19 Spieltagen sammelten die Duisburger 35 Punkte, waren damit Erster in der Hinrundentabelle. Die kleine Ergebniskrise, die man momentan durchmacht, ist damit auch zu verschmerzen. In den ersten 19 Spielen kassierten die Duisburger nur 11 Gegentore, waren damit mit Abstand die beste Defensive der Liga. Inzwischen hat man nach 17 Spieltagen in der Rückrunde schon fast doppelt so viele Gegentore (20) bekommen wie in der gesamten Hinrunde. Trainer Gruev nimmt es gelassen: „Wahrscheinlich haben sich unsere Gegner offensiv alle verbessert. Jedes Spiel schreibt seine eigene Geschichte, man kann die Hinrunde nicht 1:1 mit der Rückrunde vergleichen“.

Wiedersehen mit altem Bekannten

Die Fortuna und der MSV Duisburg kennen sich gut. Die beiden Mannschaften trafen in allen drei höchsten Spielklassen und im DFB-Pokal aufeinander, in 24 Duellen (16 davon in der 2. Bundesliga) trennte man sich acht Mal Unentschieden, jeweils acht Mal gewannen die Fortuna und der Spielverein aus Meiderich. Dabei liegt der letzte Fortuna-Sieg allerdings schon eine ganze Weile zurück: In der Saison 89/90 bezwangen die Südstädter um Abwehrchef Dirk Hupe den MSV mit 2:0. In den darauffolgenden Jahren kam man, aus Kölner Sicht, nie über ein Unentschieden hinaus, ehe sich die Wege der beiden Vereine 1996 für fast 20 Jahre trennen sollten. Denn während die Duisburger hauptsächlich in der 1. und 2. Bundesliga spielten, ging es für die Fortuna nach unten.
Einer der wenigen, die beides miterlebt haben, ist Ivica Grlic. Grlic ist Fußballfans kein Unbekannter, der heutige Sportdirektor des MSV Duisburg kickte 12 Jahre in den beiden höchsten deutschen Spielklasse, in 343 Spielen erzielte der 41-Jährige 50 Tore. Was viele Fans aber nicht wissen: Grlic’s erste Profistation im deutschen Fußball war die Fortuna aus Köln. Von 1997-2000 schnürte der gebürtige Münchner die Schuhe für die Kölner, traf für die Fortuna in 85 Spielen neun Mal. Am Samstag sitzt er an der Seitenlinie seiner Zebras und hofft, bereits den zweiten Aufstieg seiner Amtszeit als Sportdirektor perfekt machen zu können.

Im Fokus: Branimir Bajic

Ein Spieler, mit dem Grlic zu seiner aktiven Zeit noch zusammenspielte, ist Branimir Bajic. Der Bosnier ist der Dienstälteste Profi im Duisburger Kader, bereits seit 2010 schnürt er seine Schuhe für die Meidericher. Dabei kommt der 38-Jährige auf über 272 Pflichtspiele für die Zebras. Für Trainer Gruev ist der ehemalige bosnische Nationalspieler nicht nur auf dem Feld eine wichtige Bezugsperson: „Baja ist eine ganz wichtige Figur in unserem Team“, sagte der 47-Jährige Coach. „Er hat sehr viel Erfahrung, ist ein echter Leader und Kämpfer. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine. Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe – er ist ein echtes Vorbild als Profi“.
Begonnen hat für den Innenverteidiger alles in seiner Heimat beim FC Radnik. Dort kickte Bajic drei Jahre, ehe es zum serbischen Spitzenklub Partizan Belgrad ging. Nach sechs Jahren verabschiedete sich der ehemalige Nationalspieler aus Serbien, über Stationen in Dubai, Koblenz und der Türkei landete Bajic schließlich 2010 beim Meidericher-Spielverein, wo er sich seitdem in die Herzen der Fans und seiner Mitspieler gespielt hat. „Brani hat viele Verdienste. Er ist für den Fall der Fälle für uns sehr wertvoll", so Manager Ivica Grlic über den Kapitän.
Bajic ist sogar so wichtig für die Meidericher, dass er dem Duisburgern auch nach seinem Karriereende am Ende der laufenden Saison zur Verfügung stehen wird. In welcher Rolle ist zwar noch nicht endgültig geklärt, allerdings wird der Bosnier sich den Traum von der 2. Liga mit dem MSV Duisburg wohl noch einmal erfüllen – sei es als Betreuer, Co-Trainer oder Stand-by-Profi. Und selbst im Falle eines Nicht-Aufstiegs wird der Innenverteidiger seinen Vertrag laut seinem Berater noch mal verlängern. Egal was passiert: Bajic bleibt seinem MSV eben treu.   

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