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Rödeln gegen Rödinghausen _ Fortuna will starke Heimbilanz ausbauen

Fortunas Stürmer Leon Demaj schnürte bei Schalke II bereits seinen zweiten Doppelpack in dieser Saison. Foto: fs-medien

Fußball funktioniert nicht am Reißbrett. Entwürfe sind schnell hinfällig. Pläne nicht umsetzbar. Diese leidvolle Erfahrung macht der SV Rödinghausen, der kommende Gegner der Fortuna, seit Saisonbeginn. Bei den Kölner Südstädtern hingegen kam es vor dem Heimspiel am Samstag (14 Uhr) im Südstadion zu einem unerwarteten Personalwechsel in der Führungsetage.

Co-Trainer Thoma Kraus, erst im Sommer nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn zur Fortuna zurückgekehrt, schloss sich kurzfristig dem österreichischen Erstligisten Rapid Wien an. „Wir freuen uns riesig für den Tommy. Er wollte das gerne machen. Das zeigt, dass die Fortuna ein gutes Sprungbrett für Spieler und Trainer ist. Der Tommy war für uns eine absolute Bereicherung und er wird das auch für Wien sein“, sagt Trainer Markus von Ahlen.

Eine Übergangslösung ist bereits gefunden. Bis zur Winterpause steht ihm Timo Westendorf, der Leiter des Leistungszentrums sowie Coach der U19, als Assistent zur Seite: „Timo hat schon einige Erfahrungen als Trainer gesammelt und er ist Fortune durch und durch. Wir müssen jetzt schnell zusammenwachsen und er muss schnell einen Draht zur Mannschaft finden. Da werden die Beteiligten alles für tun.“

Da Innenverteidiger Jonas Scholz und der gefährliche Joker Danny Breitfelder beim 2:0-Sieg im Parkstadion jeweils die fünfte gelbe Karte gesehen haben, muss von Ahlen sein Gerüst ein wenig verändern. Beide Spieler kamen immerhin bei 15 der bisherigen 16 Saisonspiele zum Einsatz. „Das gehört mit dazu: Angeschlagene, kranke und auch gesperrte Spieler. Wir haben keinen Grund zu jammern, es gibt genug andere Möglichkeiten, ich bin mir sicher, dass wir am Samstag eine gute Mannschaft auf dem Platz haben werden“, bekräftigt der Coach. Mit Adrian Stanilewicz und Leon Demaj sind gegen Rödinghausen bereits die nächsten beiden Akteure von einer Sperre bedroht. 

Vor Saisonbeginn war die Wiehenelf in der Regionalliga West nach den Plätzen sechs und vier in den beiden zurückliegenden Spielzeiten zumindest zum engeren Kreis der Aufstiegsaspiranten gezählt worden. Nun steht die Elf aus dem Kreis Herford im unteren Mittelfeld der Tabelle. Eine durchaus überraschende Entwicklung. 

Nach nur zwölf Punkten aus den ersten elf Spielen und Tabellenplatz zwölf musste infolgedessen Carsten Rump seinen Stuhl räumen. Ende Oktober wurde Farat Toku als neuer Cheftrainer vorgestellt. Der 43-jährige Fußballlehrer stand zuletzt als Co-Trainer beim Erstligisten Alanyaspor unter Vertrag. Vor seinem Engagement in der Türkei coachte er von 2015 bis 2019 die SG Wattenscheid 09 in der Regionalliga West, sowie Viktoria Berlin in der 3. Liga. 

Aber auch der neue Besen kehrte zunächst nicht so gut wie erhofft: Der SVR sucht weiter seine Form. 0:4 gegen Rot-Weiß Oberhausen, 1:2 beim FC Gütersloh. Tokus Start verlief mehr als holprig. Mit einem 1:0-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf II wurde am letzten Wochenende ein Anfang gemacht. In letzter Minute sorgte der eingewechselte Spieler mit dem passenden Namen Ole Hoch für ein Highlight. Auf Dauer sollte Rödinghausen in der Tabelle ein paar Plätze nach oben klettern, denn dafür steckt zu viel (noch) verborgenes Potential im Kader. 

„Rödinghausen hat eine sehr erfahrene Mannschaft, sie wurden vor der Saison als einer der Topfavoriten gehandelt. Sie haben vor ein paar Wochen einen Trainerwechsel vollzogen. Sie haben sich jetzt langsam gefunden, das zeigen auch die jüngsten Leistungen. Deswegen wissen wir nicht genau, was kommt da auf uns zu. Für uns gilt es, unsere Tugenden maximal auf den Platz zu bringen, dann sind wir richtig stark“, betont von Ahlen. 

Weiterhin eine feste Größe in der in der Vorsaison besten Abwehr der Liga (35 Gegentore) ist der unverwüstliche Kapitän Daniel Flottmann. Der mittlerweile 39-Jährige ist nach wie vor als Innenverteidiger gefragt. In der Offensive hatten die Ostwestfalen im Vergleich zur abgelaufenen Saison den größten Nachholbedarf (59 Toren nach 34 Partien). Meister SC Preußen Münster erzielte 30 Treffer mehr. Deshalb verpflichtete der Regionalliga-Meister von 2020 mit dem viermaligen Torschützenkönig Simon Engelmann (34/RW Essen) und Thilo Töpken (24/RW Koblenz) zwei klassische Neuner.

Der in Vechta geborene Engelmann, der bereits zwischen 2017 und 2020 in Rödinghausen spielte, ist der Rekordtorschütze der Regionalliga. Ihm gelangen in 355 Spielen 174 Tore und 56 Assist. Mit 24 Treffern trug er 2021/22 maßgeblich zum Aufstieg von RW Essen in die 3. Liga bei. In dieser Saison bremsten ihn bislang eine Wadenverletzung und eine Operation an den Mandeln aus. Ein triftiger Grund für die Ladehemmung beim kommenden Gegner. Mit fünf Treffern ist derzeit Töpken der beste Angreifer.

Von den Neuzugängen zählen Rechtsverteidiger Leon Tia (SC Wiedenbrück), Torhüter Matthis Harsman (SV Meppen), Linksverteidiger Luca Horn (Hansa Rostock II) sowie die Mittelfeldspieler Eros Dacaj (SV Elversberg) und Ole Hoch (Germania Halberstadt) zu den Stammkräften. Eklatant ist bei Rödinghausen der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsbilanz. 18 der 19 Punkte nach 16 Spieltagen holten die Ostwestfalen im Häcker Wiehenstadion. In der Fremde ist die Bilanz mit nur einem Punkt aus acht Spielen und 2:13-Toren mehr als ausbaufähig. Die Fortuna hingegen ist die zweitbeste Heimelf der Liga mit 21 von 27 möglichen Punkten und gerade mal sieben Gegentoren in neun Partien. Statistiken führen gelegentlich aber auch in die Irre. Die Wahrheit liegt auf dem Platz.   

 

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