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Gegnercheck SC Rot-Weiß Oberhausen - zwischen Genie und Wahnsinn

Bundesliga(-Skandal), Mario Basler, Fahrstuhljahre und DFB-Pokalhalbfinale mitten im Ruhrgebiet. Der SC Rot-Weiß Oberhausen-Rheinland e. V., wie der Verein mit vollem Namen heißt, hat schon auf ganz verschiedene Weisen auf sich aufmerksam gemacht. So begegnen sich am Sonntag, 18. September, 14 Uhr, im Südstadion zwei Mannschaften, die schon etliche Zweitligaduelle geführt und sich nur knapp in der Bundesliga verpasst haben. Dafür dürfen sich die Fußballromantiker und die Regionalliga West auch in dieser Spielzeit auf ein solch prestigeträchtiges Aufeinandertreffen freuen: Fortuna Köln gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Als am 18.12.1904 der Oberhausener Spielverein gegründet wurde, ahnte wohl noch niemand, welch turbulente Jahre auf den Verein samt seinen Spielern, Trainern und Fans warten würde. Auch nicht, als 1926 das Stadion Niederrhein (das immer noch so heißt) auf der „Emscherinsel“ mit aktuell 17.000 Plätzen gebaut wurde und im Juni 1933 der bis heute gültige Vereinsname Rot-Weiß Oberhausen festgesetzt wurde. Doch schon damals stiegen die Oberhausener mehrmals in die Gauliga Niederrhein auf und auch wieder ab. Nachdem der Club 1943 kurzzeitig in die Kriegssportgemeinschaft umgewandelt wurde, konnte man sich nach zwei Meisterschaften in der Bezirksliga für die Meisterschaft der britischen Besatzungszone qualifizieren. Dort verlor man allerdings gegen den Hamburger SV.

Auch in den Jahren danach, in denen man einige Spielzeiten in der neuen Oberliga West (damals die höchste Spielklasse) verbrachte, mussten sich die Kleeblätter immer wieder den „großen Drei“, 1. FC Köln, Borussia Dortmund und Schalke 04, geschlagen geben. Weil Oberhausen in der Saison 1962/1963 nur den zehnten Tabellenplatz belegt hatte, wurde es kein Gründungsmitglied der Bundesliga. Erst 1969 mit der Westmeisterschaft konnte der Aufstieg in die Bundesliga geschafft werden. Direkt die zweite Saison im deutschen Oberhaus sollte zu einer denkwürdigen werden. Rot-Weiß Oberhausen war in den Bundesliga-Skandal 1971 verwickelt, als nachweislich mehrere Spiele im Abstiegskampf manipuliert worden waren. Auch Oberhausens Trainer Günter Brocker hatte seinen Anteil daran und wurde gesperrt. Ein positives Ausrufezeichen konnte in der Saison allerdings Lothar Kobluhn setzen, als er mit 24 Toren vor Gerd Müller Torschützenkönig wurde. Die legendäre Torjägerkanone wurde ihm aufgrund des Skandals erst 2008 vom Kicker verliehen.

In den 80ern spielten die Rot-Weißen fünf Jahre in der neuen eingleisigen 2. Bundesliga. In dieser Zeit kam es zu zahlreichen Duellen mit Fortuna Köln. Bis zum heutigen Tag spricht die Statistik für die Südstädter: Nach 30 Pflichtspielen stehen zehn Siege, zwölf Unentschieden und acht Niederlagen bei 37:38 Toren für Fortuna Köln zu Buche.

Einen weiteren Tiefpunkt erlitt der Verein mit dem Lizenzentzug 1988 als nach Jahren der Misswirtschaft ein immenser Schuldenberg eine weitere Saison in der 2. Liga verhinderte. Zehn Jahre benötigte der Verein aus dem Ruhrgebiet, um sich bis 1998 wieder in das deutsche Unterhaus hochzuarbeiten. Kurz darauf kamen sportliche Höhepunkte mit einem DFB-Pokalhalbfinale 98/99 (1:3 gegen den FC Bayern) und Viertelfinale 01/02 (0:2 gegen Schalke 04), jeweils mit Trainer Aleksandar Ristić, der als „Retter“ den RWO vor dem Abstieg bewahrte.

Zwischen 2004 und 2008 wurde ein sportliches Kunststück vollbracht als der RWO zunächst zwei Abstiege in Folge bis in die Oberliga hinnehmen musste, dann aber mit zwei Aufstiegen unter Coach Hans-Günter Bruns wieder in die 2. Bundesliga zurückkehrte. Nach einem erneuten Abstieg in die 3. Liga 2011 kam in der darauffolgenden Spielzeit Mario Basler als Trainer ins Ruhrgebiet. Aber auch der legendäre Kicker konnte den Absturz in die Regionalliga West nicht verhindern, in welcher die Kleeblätter seitdem spielen. Der letzte größere Erfolg wurde 2018 mit dem Sieg im Finale des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiss Essen vor 13.000 Zuschauern gefeiert.

Aus Kölner Sicht haben die Kicker aus Oberhausen, der „Wiege der Ruhrindustrie“, auch im Südstadion nichts zu feiern. Die aktuelle Form des RWO spricht nicht unbedingt für einen Erfolg der Kleeblätter in Köln. In der Tabelle steht ein zehnter Tabellenplatz (elf Punkte, 14:16 Tore) zu Buche, außerdem ist die Mannschaft von Trainer Mike Terranova seit drei Spieltagen sieglos. Fortuna Köln freut sich auf das Duell mit Rot-Weiß Oberhausen und begrüßt die Gäste aus dem westlichen Ruhrgebiet.

Nächste Begegnung
vs.
Fortuna Köln
1. FC Düren
Köln, Südstadion