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Den unruhigen Zeiten zum Trotz - Der VfL Osnabrück im Gegnercheck

Fotograf: Luca Eupen

Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der vergangenen Saison will der VfL Osnabrück dieses Jahr wieder die oberen Tabellenplätze anvisieren. Neuzugänge wie Tim Danneberg und die Rückkehr von Kapitän Savran und Christian Groß sollen dabei helfen, den VfL Osnabrück zurück in die 2. Liga zu führen. Das Verletzungspech macht den Niedersachsen aber einen Strich durch die Rechnung.

Vergangene Saison und aktuelle Lage:

Sieger im Landespokal, das Erreichen des DFB Pokals, 36 Punkte in heimischen Stadion an der Bremer Brücke und bis zum vorletzten Spieltag die Chance auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga – die vergangene Spielzeit des VfL Osnabrück liest sich mehr als beachtlich. Vor der Saison wäre wohl fast jeder in Osnabrück mit dieser Ausbeute zufrieden gewesen. Trotzdem herrschte im Umfeld am Ende eine gewisse Enttäuschung – Für den VfL wäre noch deutlich mehr möglich gewesen.
Denn die Osnabrücker galten lange Zeit als großer Aufstiegskandidat. Nach Ende der Hinrunde stand der VfL nur drei Punkte hinter dem späteren Aufsteiger aus Duisburg, Platz drei in der Hinrunden Tabelle war die Folge. Es war klar: Würde Osnabrück dieses Niveau auch in der Rückrunde halten können, wären sie ein ganz heißer Kandidat auf den Aufstieg.
Doch dazu kam es schlussendlich nicht. Das große Defizit: Die Spiele gegen die für einen Aufstiegskandidaten vermeintlich schlagbaren Mannschaften. Niederlagen gegen Großaspach (0:1) oder den Halleschen FC (1:2), die Unentschieden gegen den FSV Frankfurt (1:1) und die Sportfreunde Lotte (0:0) verpassten den Niedersachsen einen herben Dämpfer. Der VfL sammelte in der Rückrunde nur 22 Zähler und landete somit nur auf Platz 14 der Rückrundentabelle. Gepaart mit einer ungewöhnlichen Auswärtsschwäche (18 Punkte, Platz 16) reichte es für die Osnabrücker am Ende nur zu Platz sechs.
Diese Saison will der VfL wieder oben angreifen. Auch wenn die Vorbereitung für die Männer von der Bremer Brücke alles andere als optimal lief, so ist der VfL mit der baldigen Rückkehr von Mannschaftskapitän Halil Savran und den Neuzugängen Tim Danneberg und Christian Bickel für die neue Saison sehr gut aufgestellt. Nach der starken ersten Halbzeit gegen den Top-Aufstiegsfavoriten Karlsruher SC (2:2) und dem bitteren 0:4 in Wiesbaden möchten die Osnabrücker nun gegen die Fortuna in die Erfolgsspur zurückfinden. Das wird aber schwer genug, denn die Fortuna ist so etwas wie der Angstgegner des VfL. Erst einmal konnten die Männer von der Bremer Brücke die Kölner schlagen, dieser Sieg liegt allerdings schon fast drei Jahre zurück. Vergangene Saison verlor man am 36. Spieltag gegen die Fortuna im eigenen Stadion und musste so das Ziel „Aufstieg“ ad acta legen. 

Verletzungspech und Neuzugänge:

Ein großer Grund für die schwache Rückrunde und dem damit verpassten Aufstieg war das Verletzungspech der Osnabrücker in der vergangenen Saison. Leistungsträger wie Christian Groß und Halil Savran fehlten den Niedersachsen in der entscheidenden Saisonphase. Besonders Kapitän Savran war, trotz einer starken Saison von Neuzugang Wriedt, für den VfL schlussendlich nicht zu ersetzen. Der 32-Jährige fiel bereits in der Hinrunde mit einem Mittelfußbruch aus, nach seiner Rückkehr machte er mit starken Leistungen auf sich aufmerksam – sogar so sehr, dass der „Kicker“ ihn trotz der langen Zwangspause als besten Stürmer der 3.Liga einstufte. Doch nach der Winterpause gab es den nächsten Schock: Knorpelschaden im Knie, das Saisonaus für Savran stand bereits im Januar fest. Nun ist der Kapitän zurück im Mannschaftstraining und soll den VfL auf und neben dem Platz führen: „Halil Savran ist unheimlich wichtig für unsere entwicklungsfähige Mannschaft – auf und neben dem Platz“, sagt Trainer Enochs über seinen Spielführer. „Seinen und den längeren Ausfall von Christian Groß konnten wir nicht über die gesamte Zeit kompensieren. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Rückrunde nicht optimal verlief“.
Auch zum Start dieser Saison bleiben die Niedersachsen nicht vom Verletzungspech verschont. Alexander Dercho, absoluter Stammspieler unter Trainer Joe Enochs, hatte sich in der Vorbereitung am Knöchel verletzt und muss noch mehrere Wochen pausieren – mit Marc Heider fehlt außerdem ein weiterer Leistungsträger auf Grund einer Sperre noch bis zum 5. Spieltag.
Auch Christian Bickel wird Osnabrück in den kommenden Monaten nicht zur Verfügung stehen. Der 26-Jährige hat bereits 110 Zweit- und Drittligaspiele absolviert und ist damit einer der erfahrensten Spieler der 3. Liga. Im ersten Saisonspiel gegen den KSC agierte Bickel noch auf der linken Seite, war mit seiner Schnelligkeit besonders in der ersten Hälfte ein ständiger Unruhefaktor. Im Spiel gegen Wiesbaden aber verletzte sich der 26-Jährige nach einer unglücklichen Situation mit Mitspieler Arslan am Knie. Die bittere Diagnose: Kreuzbandriss und rund sechs Monate Pause.
Trotz der Ausfälle vieler Leistungsträger bringt der VfL aber einen konkurrenzfähigen Kader auf den Platz. Grund dafür sind, neben der Rückkehr von Savran, unter anderem Neuzugang Danneberg. Mit Danneberg habe der VfL „einen erfahrenen und spielstarken Charakter“ verpflichtet, so Trainer Joe Enochs. Der 31-Jährige ist ein gestandener Drittligaspieler, der auf über 270 Spiele in der dritthöchsten deutschen Spielklasse zurückblicken kann. Schon im ersten Spiel gegen den Karlsruher SC zeigte Danneberg seine Stärken in der Zentrale: Der 31-Jährige lief den Gegner immer wieder aggressiv an, störte so den Spielfluss des KSC und war, besonders in der starken ersten Hälfte der Osnabrücker, ein Fixpunkt seines Teams. Fast folgerichtig erzielte Danneberg das zwischenzeitliche 2:0 gegen die Karlsruher. Außerdem ist Abwehrass und Anführer Christian Groß nach seiner Verletzung wieder bei voller Stärke.

Im Fokus: Christian Groß

Und das ist für die Osnabrücker extrem wichtig. Denn wie wertvoll der 28-Jährige für den VfL ist, sah man besonders in der Partie gegen den KSC. Auf Grund von Verletzungssorgen rückte Groß von seiner gewohnten Position im defensiven Mittelfeld in die Abwehrzentrale – Eine Position, die er seit über zwei Jahren nicht mehr gespielt hatte. Dort erledigte er seinen Job unaufgeregt und solide und bekam nach dem Spiel sogar noch ein Extralob von Trainer Enochs.
Sowieso ist Christian Groß immer da, wenn er gebraucht wird. Der 28-Jährige ist der „aggressive Leader“ beim VfL, wenn er fit ist absoluter Stammspieler. Für Groß begann alles beim BV Cloppenburg. Von dort wechselte er 2005 in die Jugend des VfL Osnabrück. Nach Stationen in Hamburg, Babelsberg und Lotte landete Groß 2014 zurück bei den Niedersachsen. Kaum ein Experte hatte ihm damals den Wechsel aus der Regionalliga nach Osnabrück zugetraut. Der 28-Jährige ist der Kopf der VfL-Elf, als zentraler Mann zeigt er auf dem Platz Eigenschaften, für die sie ihn in Osnabrück lieben: Keine Showeinlagen, kein Gemecker. Dafür eine aufreibende, ehrliche Arbeit für das Team über 90 Minuten. Egal wo der Ball landet: Groß ist immer da. „Er ist einfach extrem wichtig für unser Spiel. Sein Ausfall zum Ende der vergangenen Saison war auch ein großer Grund dafür, warum die Rückrunde nicht optimal verlaufen ist. Wir konnten diesen Ausfall nicht auffangen“, sagte Trainer Enochs über seinen Mittelfeldspieler. Groß‘ Vertrag läuft noch bis 2018 und es deutet alles darauf hin, dass er dem VfL auch darüber hinaus erhalten bleibt. Denn das Gesamtpaket stimmt: Ein immer größer werdendes Standing im Klub, das Elternhaus in der Nähe, und das BWL-Studium direkt um die Ecke. Christian Groß fühlt sich in Osnabrück rundum wohl. Sein großes Ziel: Die 2. Bundesliga. Ob das mit dem VfL diese Saison klappt bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Osnabrück ist mit Groß in der Startelf immer ein unangenehmer Gegner.  

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