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4:3 nach 0:3 – Torschütze Sarpei macht das Südstadion zum närrischen Tollhaus

Joker Kingsley Sarpei erzielte in der Schlussminute für die Fortuna den vielumjubelten Treffer zum 4:3-Sieg. Foto: fs-medien.

Das närrische Treiben beginnt offiziell erst am 11.11. um 11.11 Uhr. Doch was am Freitagabend im Südstadion los war, machte die 1.913 Zuschauer vorab schon völlig jeck. Nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit gegen Borussia Mönchengladbach II war für die Fortuna gefühlt bereits Aschermittwoch. Doch die Mannschaft von Trainer Markus von Ahlen drückte urplötzlich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und als der eingewechselte Kingsley Sarpei nach einem 0:3-Rückstand in der 90. Minute das 4:3 für die Hausherren erzielte, machte das ganze Stadion einen Freudensprung. Und trotz der nasskalten Witterung hätte sich so mancher wohl ebenso wie der Torschütze vor Ekstase am liebsten das Oberteil vom Körper gerissen.

Überall gab es nach dem Schlusspfiff erstaunte, verdatterte und perplexe Fortuna-Anhänger. Bei allen Beteiligten war das Grinsen im Gesicht breiter als bei jedem Clown im Fastelovend. Selten erlebt ein Fußballspiel eine derart unverhoffte und dramatische Wendung. Leidtragender dieses denkwürdigen Schauspiels war der Gäste-Trainer Eugen Polanski. „Wir haben ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten gesehen. Die erste Hälfte von uns war top. Die zweite Halbzeit war Schrott. Ein Unentschieden wäre aus meiner Sicht gerecht gewesen, aber am Ende verlieren wir, weil wir in den zweiten 45 Minuten gar keine Ballbesitzphasen mehr hatten“, sagte der langjährige Ex-Profi dennoch gefasst.

So schnell vergessen wird er diesen Spielfilm sicher nicht. Dabei waren die jungen Fohlen ihren Gegnern zunächst pausenlos davon galoppiert. Nach einem Fehlpass von Angelo Langer brauchte die Borussia nur noch fünf schnelle Stationen, um die Kölner blitzsauber auszukontern. Mika Schroers legte quer auf den Torschützen Shio Fukuda _ 0:1 (8.). Nach 31 Minuten hob Jonas Scholz das Abseits auf und Fukuda vollstreckte einen Pass in die Schnittstelle zum 0:2. Schuss an den Innenpfosten, drin. Es kam noch schlimmer. Arnold Budimbu verlor einen Zweikampf auf der rechten Seite gegen Oguzcan Büyükarslan und in der Mitte traf Schroers mutterseelenallein zum 0:3 (41.) aus kurzer Distanz. Nachdem Marvin Mika auf Pass von Stanilewicz eine hundertprozentige Chance ausließ, glückte Leon Demaj, Vorarbeit Stipe Batarilo, im Nachsetzen gegen Keeper Maximilian Brüll das 1:3 (45.+2). Zehn Minuten zuvor musste Maik Kegel verletzt raus.  

„Wir wussten um das Tempo, dass Mönchengladbach hat und auch um die zielstrebige Spielweise. Dennoch hatten wir uns dafür entschieden offensiv und mutig zu verteidigen. In dieser Saison hatten wir das bisher sehr gut gemacht. Die erste Halbzeit ist aber dann komplett gegen uns gelaufen. Der Gegner hat mit einer brutalen Präzision die kleinen Lücken gefunden und ausgenutzt. Der Anschlusstreffer vor der Halbzeit war wichtig. Ich denke, es war ein Sieg der Moral und des Mutes. Wir haben uns nicht mit dem 3:3 begnügt, sondern dann wollten wir alles. Getrübt wird meine Freude allerdings dadurch, dass sich Maik Kegel wahrscheinlich schwer verletzt hat. Das schmerzt. Insofern war es auch ein Sieg für ihn“, sagte später Markus von Ahlen. 

In der zweiten Halbzeit kamen die Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nun zeigte die Fortuna ihre Schokoladenseite. Justin Steinkötter eroberte den Ball an der gegnerischen Strafraumgrenze. Marvin Mika knallte ihn im Anschluss trocken unter die Latte zum 2:3 (59.), es war sein erstes Tor in der Meisterschaft für den neuen Klub. Nur Sekunden nach einem Dreifach-Wechsel traf Dominik Lanius zum 3:3-Ausgleich (77.). Jonas Scholz köpfte in die Mitte, Danny Breitfelder ließ mit seiner ersten Aktion den Ball mit dem Kopf abtropfen und der Innenverteidiger glich aus der Drehung aus. Es fehlte aber noch der emotionale Höhepunkt. Mika tankte sich über rechts durch, passte ins Zentrum, dort wurde zunächst der Versuch von Batarilo abgeblockt, ehe Sarpei mit dem Lucky Punch zum 4:3 für Rosenmontagsstimmung in der Südstadt sorgte. 

„Ich freue mich für ihn, letzte Woche in Wuppertal hat man noch gefragt, warum spielt Kingsley Sarpei. Ich weiß, was er kann. Er hatte viel mit Verletzungen zu kämpfen. Er ist ein Spieler, der riecht teilweise, wo der Ball hinkommt. Und heute hatte er diesen Moment. Das ist einfach das Schöne am Fußball“, sagte Markus von Ahlen.

Fortuna: Weis, Langer (76. Breitfelder), Lanius, Scholz, Budimbu, Kegel (35. Stanilewicz), Hölscher (76. Sarpei), Mika, Batarilo, Steinkötter, Demaj (76. Matter). 

Tore: 0:1 Fukuda (8.). 0:2 Fukuda (31.), 0:3 Schroers (41.), 1:3 Demaj (45.+2), 2:3 Mika (59.), 3:3 Lanius (77.), 4:3 Sarpei (90.).

 

 

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