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"Unger Fründe" - Markus Pazurek: "Wenn wir aufsteigen, reiße ich die Stadt ab"

Markus Pazurek spielt seine fünfte Saison in der Südstadt. In dieser Zeit absolvierte er 103 Spiele für Fortuna, schoss neun Tore und glänzte mit 14 Assists. Das sind starke Werte. Auch in dieser Spielzeit hat sich der Außenverteidiger seinen Stammplatz in der Startelf erkämpft und seinen Wert für Fortuna unterstrichen. Im Interview mit Tobias Gonscherowski spricht der 29-Jährige über den beginnenden Saisonendspurt, die neue Defensivstärke und warum er gerne mal mit Jupp Heynckes ein Bier trinken würde.

Markus, Fortuna hat in der Rückrunde konstant gepunktet und den Anschluss an die Spitze gehalten. Mit welchem Gefühl geht die Mannschaft ins letzte Saisondrittel?
Markus Pazurek: Mit einem positiven. Ich denke, dass wir gut in die Rückrunde gestartet sind. Vielleicht hätten wir ein paar Punkte mehr verdient gehabt, wenn ich etwa an das Heimspiel gegen Unterhaching denke, in dem wir nicht effektiv genug waren. Wir sind aber immer noch in Schlagdistanz zu den Mannschaften vor uns.

Wird es nochmal richtig spannend?
MP: Ich hoffe es. Wir haben die Qualität dafür, um oben mitzuspielen. Das haben wir gegen Topvereine wie Wehen oder Karlsruhe gezeigt. Wir müssen jetzt schauen, dass wir gegen die Mannschaften aus dem unteren Bereich punkten. Dann könnte es noch ein positives Ende geben.

Heute gastiert der Chemnitzer FC im Südstadion, ein Team aus dem Tabellenkeller, das dringend Siege benötigt. Wie schätzt Du den Gegner ein?
MP: Chemnitz hat einen guten und teuren Kader, dümpelt aber in dieser Saison unten herum. Wir haben beim 2:1-Sieg im Hinspiel gesehen, dass es schwer gegen sie ist. Aber genauso wissen die Chemnitzer auch, was sie bei uns erwartet. Ich hoffe auf ein gutes Spiel von uns.

2018 zeigt sich die Fortuna-Abwehr stark verbessert. Liegt das vor allem an Eurem Neuzugang Christoph Menz?
MP: Zum Ende der Hinrunde stand uns fast kein Innenverteidiger mehr zur Verfügung. Lars Bender und Christopher Theisen haben das trotzdem gut gemacht. Jetzt haben wir mit Bernard Kyere nach seiner Verletzungspause und mit Christoph Menz eine echte Verstärkung hinten drin. Christoph ist ein gestandener Zweitliga-Profi. Die beiden machen das sehr gut. Und auf den Außen haben wir mit "Dodo" Ernst oder mir sowie Lars Bender gute Spieler. Die Defensive ist mittlerweile gut eingespielt.

Vor dem Wehen-Spiel konnte man befürchten, dass die Mannschaft den Anschluss nach oben verliert. Aber nach dem Sieg bleibt die Fortuna nach wie vor in Lauerstellung.
MP: In den letzten vier Jahren haben wir nach der Hinrunde jeweils stark abgebaut. Das ist in diesem Jahr anders. Die Mannschaft ist gallig und will noch mehr Erfolge feiern.

Was zeichnet die Truppe aus? Hättest Du erwartet, dass sich die Fortuna so gut schlägt.
MP: Nein, das habe ich nicht erwartet. Wir hatten 13 Abgänge, das war enorm. So einen Umbruch habe ich in meiner Karriere auch noch nicht erlebt. Alle Neuzugänge haben gut eingeschlagen, keiner hat enttäuscht. Das spricht für die Mannschaft. Sie ist jung, sie will unbedingt den Erfolg. Wir geben 90 Minuten Gas und geben kein Spiel verloren.

Du stammst aus Bad Breisig, das ja fast noch zum Einzugsgebiet von Köln gehört, bist dann aber erst über größere Umwege und Stationen bei u.a. TuS Koblenz, dem VfB Stuttgart, München 1860 und dem 1. FC Saarbrücken bei Fortuna gelandet. Warum hat das so lange gedauert? Gab es keine Kontakte nach Köln?
MP: Doch, die gab es. Aber ich habe damals noch die Schule in Remagen besucht und bin dann nach Koblenz gegangen, wo mein Vater jahrelang Co-Trainer gewesen ist. Das hat dann gepasst, zumal ich auch noch eine Ausbildung als Industriemechaniker gemacht habe und dann Oberliga in Mayen gespielt habe. Als ich dann in Saarbrücken gekickt habe, klingelte auf einmal mein Telefon und Uwe Koschinat meldete sich.

Musste er viel Überzeugungsarbeit leisten?
MP: Nein. Ich hatte schon den ganzen Süden abgeklappert und war froh, wieder in die Heimat zu kommen.

Hattest in Deiner Zeit in Stuttgart auch Kontakt zu den Profis?
MP: Ja. Ich bin eineinhalb Jahre nach der Stuttgarter Meisterschaft zum VfB gewechselt. Es war eine hohe Qualität in der Mannschaft mit Spielern wie Jens Lehmann, Serdah Tasci, Mario Gomez, Aliaksandr Hleb oder dem Stürmer Pavel Pogrebnyak. Das war schon ein anderes Level. Es ging alles viel schneller und war viel körperbetonter. Ich habe in der zweiten Mannschaft die ersten sieben, acht Spiele gemacht und auch bei den Profis reingeschnuppert. Dann hatte ich eine Schambeinentzündung, die lange konservativ behandelt und ein Dreivierteljahr später doch operiert werden musste.

Wie zufrieden bist Du mit Deiner Karriere?
MP: Ich komme auf fast 150 Drittliga-Spiele. Das kann sich sehen lassen. Ich hatte auch mit einigen Verletzungen wie einen Kreuzbandriss zu kämpfen, die ich mir nicht gewünscht habe. Ich bin zufrieden, und es geht ja auch noch weiter.

Du spielst Deine fünfte Saison bei Fortuna. Was bedeuten Dir die Stadt und der Verein?
MP: Köln ist für mich Heimat. Ich bin 50 Kilometer von Köln aufgewachsen. Ich kenne hier viele Leute, viele Freunde studieren hier. Daher war es für mich etwas Besonderes, nach Köln zu kommen. Und der Verein ist unheimlich familiär. Das kannte ich von meinen früheren Stationen nur so ähnlich vom 1. FC Saarbrücken. Hier bei Fortuna kennt jeder jeden. Das ist einmalig im Profifußball.

Was bekommst Du in der Küche super hin? Wir sind hier beim Fortuna-Sponsor Lax-online, der hochwertige Hausgeräte im Programm hat.
MP: Ich bin ein solider Mann und kann das nötigste machen, angefangen bei einem Nudelgericht. Den Großteil übernimmt aber glücklicherweise meine Frau, sonst wäre ich ein Hungerhaken. Die Kühlschränke von Smeg hier ähneln meinem. Ich mag diesen Retrostyle sehr. Die Küchengeräte hier sind ja der Wahnsinn.

Kommen wir abschließend zu unseren Top 3 und ein paar allgemeinen Fragen zum Fußball und anderen Dingen. Wer sind für Dich die drei besten Spieler der 3. Liga?
MP: Zu den besten Spielern gehört sicher Fabian Schleusener vom KSC, der eine brutale Qualität hat. Dann fällt mir Marlon Ritter vom SC Paderborn ein. Und seinen früheren Teamkollegen Dennis Srbeny würde ich nennen, auch wenn der inzwischen nach England gewechselt ist.

Wer wird hinter Bayern München Vizemeister?
MP: Das ist mir egal, ich bin Bayern-Fan.

Und das sagt ein ehemaliger Sechziger?
MP: (lacht) Ich hoffe, dass es Eintracht Frankfurt wird. Es wäre doch schön, wenn mal ein Überraschungsteam oben anklopft.

Wer ist besser: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?
MP: Die beiden sind sehr unterschiedliche Charaktere. Ronaldo ist der klassische Stoßstürmer, Messi treibt sich überall herum. Ich möchte mich da nicht festlegen.

Was sind für Dich die drei besten Sportsendungen im TV?
MP: Ich gucke gerne die ARD-Sportschau. Aber ich sehe nicht so viel Fernsehen, seit ich einen kleinen Sohn habe, der im März ein Jahr alt wird. Dann mag ich Goal auf Sport1 und ran mit den Football-Spielen.

Was sind Deine drei liebsten Urlaubsziele?
MP: Ich bin gerne in Oppeln in Polen, dem Land meiner Eltern. Meine Frau mag Holland. Und auf Fuerteventura hat es uns vor zwei Jahren gut gefallen.

Dann darfst Du ganz zum Schluss noch drei Sätze ergänzen: Ich würde gerne mal ein Bier trinken mit ...
MP: Jupp Heynckes. Egal mit wem man sich unterhält, es hat sich noch nie einer über ihn beklagt. Er interessiert mich als Trainer sehr, aber vor allem auch als Mensch.

Ich zappe im Fernsehen sofort weiter, wenn ...
MP: Daily Soaps laufen. Die sind gar nicht mein Ding.

Wenn wir mit Fortuna in die 2. Liga aufsteigen, werde ich ...
MP: die Stadt abreißen.

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