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Krämers neuformierte Auswärtsminimalisten

 

Mit Energie Cottbus wartet für die Fortuna am kommenden Samstag ein potenzielles Topteam der Liga. Trotz eines großen personellen Umbruchs formierte Neu-Trainer Stefan Krämer den Zweitliga-Absteiger schnell zu einem möglichen Aufstiegskandidaten. Aktuell ist man in Schlagdistanz zur Spitze, aber der Fokus liegt auf der weiteren Entwicklung der Mannschaft. Schließlich kam ein prominenter Mosaikstein erst kurz vor Transferschluss.

17 Jahre galt Energie Cottbus als der letzte große Ostverein, der im deutschen Profifußball mit den traditionsreichen Westvereinen aus den finanzstarken alten Bundesländern mithalten kann. Bis zur letzten Saison: Nachdem man von 1997 an stets in der 1. oder 2. Bundesliga mitspielte und phasenweise zwischen beiden Spielklassen pendelte, folgte der Absturz: Als Aufstiegskandidat gehandelt, stiegen die Lausitzer als Tabellenletzter mit 21 Niederlagen im Gepäck sang- und klanglos ab. „Wir hatten viele gute Fußballer in unserem Team. Gegen den späteren Aufsteiger SC Paderborn haben wir zum Beispiel glatt gewonnen. Doch dann kamen wieder unnötige Niederlagen. Wir waren einfach keine Mannschaft, der Teamgeist hat nicht gestimmt“, wird Kapitän Uwe Möhrle zu den Gründe für den Abstieg heute zitiert.

Dem sportlichen Rückschritt folgte ein radikaler Umbruch: Große Namen, die mit entsprechenden finanziellen Aufwendungen einhergingen, verließen Cottbus. Ob Boubacar Sanogo, Marco Stiepermann, Ahmed Madouni, Charles Takyi oder Ivica Banovic: Sie alle sucht man heute bei Energie vergebens. Stattdessen wurde reichlich ausgetauscht: Mit insgesamt 43 Transfers tätigten die Lausitzer in der abgelaufenen Wechselperiode die zweitmeisten im deutschen Fußball. Nur der 1. FC Nürnberg war noch aktiver (44 Transfers). Die wichtigste Verpflichtung machte man dabei an der Seitenlinie: Stefan Krämer zeichnet seit dieser Saison für die sportlichen Geschicke verantwortlich.

Krämer und Mattuschka entfachen Euphorie

Der 47-Jährige Fußballlehrer ist dabei der Sympathieträger bei den Cottbusern. Mit seinem dynamischen Auftreten und seiner leidenschaftlichen Art von Fußball schaffte es Krämer früh Aufbruchsstimmung zu erzeugen. „Als ich hier angefangen habe, wollte ich eine Euphorie entfachen, mit der Art wie wir Fußballspielen. Das ist uns gelungen. Jetzt müssen wir aber weiter machen und die Begeisterung weiter anheizen", ist vom gebürtigen Mainzer zu hören. Zudem schaffte es Krämer früh aus vielen neuen Gesichtern eine Mannschaft zu formen, die erfolgreich ist. Nach 12 Spielen ist Cottbus in Schlagdistanz zu den Spitzenplätzen.

Für zusätzliche Euphorie sorgte schließlich die Verpflichtung von Torsten Mattuschka: Der gebürtige Cottbuser wird als Rückkehrer gefeiert und ist der Hoffnungsträger für einen möglichen Aufstieg. 89 Torbeteiligungen in 171 Zweitliga-Partien: Mattuschka soll für Cottbus den Unterschied ausmachen. Die Begeisterung zeigte sich dabei bereits im ersten Pflichtspiel von „Tusche“: Dem 6:0-Sieg im brandenburgischen Landespokal gegen den SV Großräschen wohnten schließlich 3.100 Zuschauer bei. Es herrscht ein neues Wir-Gefühl in Cottbus. Das zeigte sich auch am vergangenen Wochenende, als der gesperrte Innenverteidiger Mimbala das Spiel gegen Arminia Bielefeld im Cottbuser Fanblock, der Nordwand, schaute. „Das war Gänsehaut pur“, schwärmte der FCE-Profi anschließend.

Auswärtsminimalisten mit effektivem Angriff

Es hat sich somit viel gewandelt im Stadion der Freundschaft. Stefan Krämer formte eine junge, hungrige Elf, die als Mannschaft auftritt. Das bekam im DFB-Pokal auch der Hamburger SV zu spüren, der sich mit Glück erst im Elfmeterschießen durchsetzten konnte. Cottbus überzeugte als leidenschaftliche Elf, die sich über eine kompakte Defensive definiert. In der Liga hat man die zweitwenigsten Gegentore (8 Stück) hinter dem Chemnitzer FC (6 Stück). Trotz des großen Umbruchs ist man in Schlagdistanz zu den Spitzenplätzen. Die Basis dafür legt man in der Fremde: Energie ist als einziger Drittligist auswärts noch ungeschlagen. Während man in der Fremde erste zwei Treffer kassierte, überzeugte man vorne mit Effektivität: Sechs Tore reichten Energie zu 12 Auswärtspunkten. Die Zahlen sprechen für den richtigen Weg von Stefan Krämer.

Trotzdem gilt der Fokus der sportlichen Entwicklung: „Die Tabelle interessiert mich derzeit nicht. Zumal die Abstände so gering sind, dass Prognosen oder Tendenzen unseriös wären,“ so Krämer, der mit Uwe Koschinat den Fußballlehrerschein machte und seitdem ein freundschaftliches Verhältnis zum Fortuna-Trainer pflegt. Die soll am Samstag aber ruhen. Nachdem die Defensive steht, will Krämer die Offensive verbessern. Bislang ist man stark abhängig von der individuellen Klasse von Michel und Pospech: Beide erzielten zusammen 8 der 13 Energie Tore. Damit hat Cottbus den zweitschlechtesten Sturm der Liga und nur ein Tor mehr als die Fortuna. Kann sich Cottbus dort steigern, so ist Energie-Trainer Krämer die Wiederholung seines bisher größten Erfolgs zuzutrauen: Mit Arminia Bielefeld stieg er in 2012/13 in die 2. Bundesliga auf und will auch Cottbus dort wieder hinführen. 

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