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Ein Aufsteiger kommt in Schwung - Fortuna empfängt FSV Zwickau

Fotograf: Tom Hettinger

Bislang pendelt das Leistungsspektrum für den FSV Zwickau in dieser Saison ziemlich weit aus. Man war mit vier Punkten aus zwei Spielen in die Spielzeit gestartet. Doch es folgte eine Negativserie von fünf Spielen ohne Sieg. Zuletzt zeigte sich Zwickau aber merklich auf dem aufsteigenden Ast.

Aktuelle Lage

Der 18. Platz in der Tabelle täuscht über das derzeitige Auftreten des FSV Zwickau: Nach einem Negativlauf und ersten Fragen in Puncto Drittliga-Tauglichkeit hat sich Zwickau wieder gefangen und ist seit drei Spielen ungeschlagen. Insgesamt holte man in diesen drei Spielen fünf Punkte. Nur vier Teams schnitten die letzten drei Spiele noch besser als Zwickau ab. Dabei begegnete man in diesen Partien mit dem FSV Frankfurt, dem VfR Aalen und den Sportfreunden Lotte ausschließlich Mannschaften aus der oberen Tabellenregion und beendete dabei zwei gegnerische Serien: Gegen den FSV Frankfurt stoppte man den eigenen Negativtrend von drei Spielen in Folge ohne einen Punktgewinn und beendete gleichzeitig die vier Spiele andauernde Siegesserie der Frankfurter (Endstand 1:1). In der folgenden Woche knüpfte man gegen Aalen an die Frankfurt-Leistung an und bescherte dem VfR die erste Heimniederlage der Saison (Endstand 0:1). Nun heißt es Konstanz in die eigenen Leistungen zu bekommen, denn grade die defensive Stabilität hat zu Saisonbeginn sehr gelitten. In bereits vier Spielen kassierte man drei oder mehr Gegentore. Auch gegen Lotte sah man zuletzt lange wie der sichere Sieger aus, ehe die Sportfreunde drei Minuten vor Schluss Zwickau bei einem Standard auf dem falschen Fuß erwischten und den 1:1-Ausgleich markierten.
Am spielfreien Wochenende setzte sich Zwickau mit 2:1 nach Verlängerung gegen Viertligist VfB Auerbach durch. Dabei brauchte der Drittligist jedoch die Verlängerung zum Weiterkommen: In der 108. Minute verwandelte Kapitän Wachsmuth einen Foulelfmeter zum Sieg. Im Halbfinale des Verbandspokals kommt es für Zwickau im Übrigen zum Drittliga-Duell mit dem Chemnitzer FC.

Frischer Input für Ziegner aus Hennef

Trainer Torsten Ziegner muss derweil oft Abstand von seiner Mannschaft nehmen. Er pendelt  jede Woche zwischen Zwickau und Hennef 470(!) km. Er macht zusammen mit Lotte-Trainer Ismail Atalan seinen Fußball-Lehrerschein an der Hennes-Weisweiler-Akademie und kann deshalb nicht so nah bei seiner Mannschaft sein, wie ein Trainer es sich wünscht. Erst Mitte der Woche stößt der 39-Jährige wieder zu seiner Mannschaft. Das Training übernehmen bis dahin seine Co-Trainer Danny König und Steffen Süßner. Nach dem letzten Spiel hat sich Ziegner jedoch vom Fußball-Lehrgang 14 tage frei genommen, um seine Mannschaft auf den Wernesgrüner Pokal in Sachsen und das Aufeinandertreffen mit der Fortuna vorzubereiten. 

Die zwei Gesichter des FSV

Bei Zwickau scheint sich einiges zu verändern, wenn man nach 45 gespielten Minuten wieder aus der Kabine kommt. In der zweiten Hälfte konnte man doppelt so viele Tore, wie in der ersten erzielen. Hinten setzt es aber auch im zweiten Durchgang mehr als doppelt so viele Gegentore: 16 Gegentore in der zweiten Halbzeit - kein Drittliga-Team musste mehr verkraften. Zudem besteht auch eine Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen: Auswärts steht man im Punkteschnitt besser da, als im eigenen Stadion. Ein kurioser Fakt, wenn man bedenkt, dass Zwickau Auswärts nur ein Tor mehr geschossen und sechs Gegentore mehr bekommen hat.
Besonders kurios - eine Auswärts-/Heimregelung scheint sich auch unter den Torschützen breit zu machen: Marcel Bär erzielte alle seine vier Saisontore in Heimspielen, Ronny König alle drei bei Auswärtsspielen.

Qual der Wahl im Sturm

Vor jedem Spieltag muss sich Ziegner im Sturm Gedanken machen. Ihm drängen sich vier Stürmer auf. Jeder konnte seine Qualitäten bereits unter Beweis stellen -  ein echtes Luxusproblem. Mit Marcel Bär und Ronny König verpflichtete man vor der Saison zwei Neue für den Sturm. Beide schlugen ein und sind mit vier und drei Toren die erfolgreichsten Angreifer bei Zwickau. Und trotzdem hat man noch zwei weitere Stürmer, die sich Ziegner empfehlen und an ihre letzte Saison anknüpfen wollen. Jonas Nietfeld scheint im Moment mehr als nur eine Alternative darzustellen, darf immer häufiger von Beginn an ran. Letzte Spielzeit gelangen ihm 15 Tore in der Regionalliga Nordost. In der dritten Liga markierte er bis jetzt zwei Treffer. Auch Marc-Philipp Zimmermann beendete die Saison in der Regionalliga mit einer starken Quote (15 Tore / 9 Vorlagen). In der dritten Liga konnte er auch schon einmal treffen, kam aber zuletzt, aufgrund einer Sperre nicht zum Zug. Gegen die Fortuna könnte Zimmermann, nach abgesessener Sperre wieder eine ernsthafte Alternative sein. Mit vier Stürmern, die alle mindestens ein Saisontor auf dem Zettel haben, hat Ziegner gegen die Fortuna die Qual der Wahl. Ausschlaggebend könnte in der Entscheidung die Kopfballqualität von König werden. Der 1,90m große Sturmtank erzielte zwei seiner drei Saisontore per Kopf.

Zwickau hat's im Köpfchen

Generell ist der Kopf die gefährlichste Waffe der Zwickauer: 6 Tore machte der Aufsteiger schon per Kopf - Topwert in der 3. Liga. Das entspricht 40% aller FSV-Treffer. Demtensprechend sind Standards eine Waffe von Zwickau, zumal sich auch Verteidiger wie Robert Paul schon mit dem Kopf in die Torschützenliste eintragen konnten. Paul wird dem FSV aber gesperrt gegen die Fortuna fehlen. Für ihn könnte Marcel Gebers in die Mannschaft rücken, der zuletzt noch verletzt fehlte. Robert Paul ist gesperrt, Toni Wachsmuth könnte es danach erwischen. Kapitän Wachsmuth steht derzeit bei vier gelben Karten und könnte sich gegen die Fortuna seine fünfte abholen.

Im Fokus: Patrick Göbel

Patrick Göbel wechselte zur Saison 14/15 nach Zwickau, wo bereits sein Bruder Christoph unter Vertrag stand. Der 23-Jährige ist auf der rechten Seite zu Hause und profitiert vor allem von seiner Technik und Wendigkeit. Die Jugend verbrachte er bei Rot-Weiß Erfurt. In der Regionalliga konnte Göbel letzte Saison für den FSV fünf Tore erzielen und zwölf vorbereiten. Auch in der 3. Liga schafft es Göbel zu überzeugen. Gegen Halle schnappte er sich selbstbewusst den Ball und trat zum Elfmeter an, nachdem Kapitän Toni Wachsmuth zuerst verschossen hatte. Göbel verwandelte den Elfmeter sicher und kam so zu seinem ersten Saisontreffer für Zwickau in der dritten Liga. Gegen Lotte bewies der Rechtsfuß, dass er nicht nur Elfmeter, sondern auch Freistöße kann und traf zur Führung gegen Mitaufsteiger Lotte. Neben zwei selbst erzielten Toren, lieferte Göbel schon vier Assists. Mit 23 Jahren ist Göbels Entwicklung wohl noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren könnte er für einige Furore sorgen, so er sein Potential voll ausschöpft. Seine quirlige Spielart macht ihn schon jetzt zu einem schwer auszurechnenden Spieler und wichtigen Faktor im Zwickauer Spiel.

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