News

Zwischen Traumdebüt und Neuanfang: Neo Telles Weg zur Fortuna

Neo Telle (Mitte) im Interview.

Fortuna-Neuzugang Neo Telle hat sich im Trainingslager im türkischen Side Zeit für ein Interview genommen. Der 20-jährige Innenverteidiger spricht über seine ersten Tage bei der Fortuna, seinen bisherigen Karriereweg und seine Ziele für die Rückrunde. Telle durchlief in den vergangenen Jahren mehrere Jugendmannschaften des 1. FC Köln. Mit der U19 der Geißböcke gewann er 2022/23 den DFB-A-Junioren-Pokal, mit den Profis wurde er in der Saison 2024/25 Zweitliga-Meister. Nun ist er von Sülz nach Zollstock gewechselt.

Neo, du hast unter Trainer Gerhard Struber am 9. Februar 2025 dein Debüt in der 2. Bundesliga gegeben, vor 50.000 Zuschauern gegen den FC Schalke 04. Wie hast du diesen Moment erlebt?

„Ich sollte eigentlich schon kurz vor der Halbzeit eingewechselt werden. Da war ich extrem aufgeregt und konnte es erst gar nicht realisieren. Gleichzeitig bist du so fokussiert, dass du gar nicht viel Zeit hast, darüber nachzudenken. Das Drumherum habe ich eher im Hintergrund wahrgenommen. In der Halbzeitpause hatte ich dann Zeit, mich richtig vorzubereiten, das hat mich entspannt. Der Trainer hat mir noch ein paar Dinge mitgegeben und gesagt, ich soll einfach spielen, Spaß haben und mein Ding durchziehen. Das hat mir sehr geholfen.“

Und was ging dir danach durch den Kopf?

„Es war überragend, unfassbar geil. Ich komme aus der Jugend des FC, vor dieser Kulisse in diesem Stadion zu spielen, das war die Erfüllung eines Kindheitstraums.“

Du hattest drei Einsätze in der 2. Bundesliga, warst in der Saison danach aber überwiegend Reservist in der U21. Wie bist du mit dieser Situation umgegangen?

„Ich arbeite schon seit einiger Zeit mit einem Psychologen zusammen. Das ist extrem wichtig, gerade wenn man den Sprung in den Profifußball macht. In schwierigen Phasen hilft es sehr, einen Experten an der Seite zu haben. Körperlich und mental habe ich viel an mir gearbeitet. Meine Familie und meine Freundin haben mich stark unterstützt, ein gutes Umfeld ist enorm wichtig. Sie haben mir gesagt: Mach weiter, gib Gas, deine Chance kommt. In der Zeit ohne Spielpraxis konnte ich gezielt an meinen Schwächen arbeiten und meine Stärken weiterentwickeln.“

Nun war es Zeit für einen Tapetenwechsel.

„Ich bin froh, jetzt bei der Fortuna zu sein und hier einen Neuanfang machen zu können. Vielleicht bekomme ich hier mehr Spielzeit als zuletzt beim FC. Ich war sehr lange dort, neue Meinungen, neue Personen und ein anderes Umfeld tun mir gut.“

Du fällst auf dem Platz auch durch deine Frisur auf.

„Ich bin meiner Frisur immer treu geblieben. Mal etwas kürzer, mal Dreads, aber meistens der Afro. Der ist nicht ganz pflegeleicht, die Haare trocknen schnell aus oder verfilzen, aber ich fühle mich damit sehr wohl.“

Erzähl uns etwas über deine Herkunft.

„Mein Vater ist Halbkameruner, ich selbst bin ein Viertel Kameruner. Ich bin aber mit der deutschen Kultur aufgewachsen, in Köln geboren und lebe in Junkersdorf. Ich war schon einmal in Kamerun, um die Familie zu besuchen, habe aber keinen besonders engen Bezug. Karneval feiere ich gerne, Kölsch sprechen kann ich allerdings nicht.“

Was sind deine Stärken als Fußballer?

„Ich bin sehr athletisch, habe dort aber noch viel Entwicklungspotenzial, vor allem in Sachen Explosivität und Muskulatur. Am Ball habe ich meine Stärken, kann auch schwierige Pässe spielen. Mein Tempo, meine Sprungkraft und mein Kopfballspiel sind gut. Außerdem bin ich sehr lernfähig und kann Informationen schnell aufnehmen und umsetzen.“ 

Womit beschäftigst du dich abseits des Platzes?

„Ich studiere neben dem Fußball im dritten Semester an der Deutschen Sporthochschule Köln. Vom Stoff her bin ich nicht ganz im dritten Semester, aber mir war es wichtig, mich auch geistig zu beschäftigen. Mein Studiengang Sport und Leistung hilft mir auch für meine Fußballkarriere, weil man den Körper theoretisch besser kennenlernt. Außerdem mache ich gerne andere Sportarten wie Badminton, Tennis, Padel, Volleyball oder Golf.“

Wie würdest du dich privat beschreiben?

„Im engen Kreis bin ich nicht ruhig, unter vielen Menschen eher introvertiert. Ich lache viel, bin sehr aktiv und habe das Gefühl, immer etwas machen zu müssen, sonst werde ich schnell kribbelig.“

Du bist Deutscher A-Junioren-Pokalsieger und Zweitliga-Meister. Was bedeuten dir diese Titel?

„Titel zu gewinnen ist immer etwas Besonderes, gerade auch als jüngerer Jahrgang in der U19. Es liest sich gut in der Vita. Der Aufstieg mit den Profis des FC war allerdings noch einmal ein Stück cooler.“

Welches Bild hattest du von der Fortuna, und hat es sich bestätigt?

„Ich habe in der Jugend oft gegen Fortuna gespielt und kannte einige Gesichter. Wenn man in Köln aufwächst, ist Fortuna natürlich ein Begriff. Die ersten Tage hier haben meine Erwartungen bestätigt: Es geht familiär zu, jeder kennt jeden.“

Was sind deine persönlichen Ziele für die Rückrunde?

„Es läuft aktuell sehr gut bei der Fortuna, und mir ist klar, wo mein Platz im Team ist. Ich möchte so schnell wie möglich Spielminuten sammeln, der Mannschaft bestmöglich helfen und mich weiterentwickeln. Der Aufstieg in die 3. Liga ist das große Ziel.“

 

Nächste Begegnung
2:2
Fortuna Köln
Lokomotive Leipzig
Emirhan Sport Center