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Zweimal zurück, am Ende vorne: Fortuna siegt mit Herz in Bocholt

Zweimal in Rückstand geraten. Zweimal zurückgeschlagen. Und am Ende wieder als Sieger vom Platz gegangen. Die Fortuna hat beim 1. FC Bocholt einmal mehr gezeigt, warum sie in dieser Saison an der Spitze der Regionalliga West steht. Der 3:2-Erfolg im Stadion am Hünting war kein gewöhnlicher Auswärtssieg, es war ein Spiel voller Emotionen, Rückschläge und unbändigem Willen.

„Das 0:1 war ein individueller Fehler, auch das 1:2 kann und muss Lennart halten. Keinen Vorwurf an ihn, er hat uns im Laufe der Saison schon mehrere Punkte gerettet. Wir haben uns aber nicht von unserer Marschroute abbringen lassen. Wir hatten vier, fünf Hochkaräter und mussten schon zur Pause führen. Ich habe der Mannschaft in der Halbzeit gesagt, wir müssen auf dem Gaspedal bleiben. Dass das 3:2 schon nach 20 Sekunden fällt, ist traumhaft. Auch danach haben wir vieles richtig gemacht. Jeder will den Tabellenführer schlagen, Das war ein schweres Auswärtsspiel, ich bin stolz auf das Team“, sagte Matthias Mink. 

Schon vor dem Anpfiff war klar, dass die Aufgabe schwierig werden würde. 2.261 Zuschauer sorgten für eine intensive Atmosphäre, der tiefe Rasen machte das Spiel schwer berechenbar und Bocholt ging mit der klaren Mission in die Partie, dem Tabellenführer ein Bein zu stellen. Doch die Fortuna stellte sich dieser Herausforderung mit breiter Brust.

Trainer Matthias Mink setzte mit Adrian Stanilewicz und Seymour Fünger für Vleron Statovci und Rafael Garcia bewusst auf körperliche Präsenz. Auf dem schweren Geläuf sollte Robustheit eine wichtige Rolle spielen, und zunächst schien der Plan aufzugehen. Die Fortuna kontrollierte das Spiel, war griffig in den Zweikämpfen und suchte früh den Weg nach vorne. Doch dann passierte das, was im Fußball immer passieren kann, ein Moment der Unachtsamkeit.

In der 12. Minute geriet ein Rückpass von Max Fischer zu kurz. Bocholts Arnold Budimbu roch die Chance, sprintete dazwischen, umkurvte Torhüter Lennart Winkler und schob den Ball ins leere Tor. 1:0 für Bocholt. Ein echtes Gastgeschenk. Für einen Moment wurde es still auf Seiten der Fortuna. Doch wer diese Mannschaft in dieser Saison verfolgt, weiß: Rückschläge bringen sie nicht aus dem Gleichgewicht.

Die Fortuna reagierte sofort, übernahm wieder die Kontrolle und erspielte sich Chance um Chance. Nach einer Hereingabe von Nico Thier ließ Bocholts Keeper Paul Grave den Ball nach vorne abklatschen, Hamadi Al Ghaddioui reagierte blitzschnell, traf aus kurzer Distanz jedoch nur die Unterkante der Latte. Erst Unglück, dann kein Glück. 

Doch nur wenige Minuten später folgte der verdiente Ausgleich, und was für einer. Tom Geerkens fasste sich aus rund 20 Metern ein Herz. Sein Schuss flog mit perfekter Präzision in den linken oberen Winkel. Unhaltbar. Ein Traumtor zum 1:1, dass die Fortuna endgültig zurück ins Spiel brachte. „Das war ein sehr schönes Tor, das passiert mir nicht so oft. In der Phase war es wichtig, das 1:1 zu machen. Dass wir zweimal nach Rückstand wieder kommen, macht uns auch aus. Wir halten als Team zusammen. Jeder gibt alles für jeden. Rückschläge werfen uns nicht aus der Bahn, wir machen immer weiter“, sagte Tom Geerkens. 

Jetzt war die Partie offen, intensiv, leidenschaftlich und von beiden Seiten mit hohem Einsatz geführt. Die Fortuna blieb am Drücker. Nach einer Flanke von Nico Thier kam Enzo Wirtz zum Kopfball, doch der Ball strich knapp am langen Pfosten vorbei. Dann folgte kurz vor der Pause der nächste Nackenschlag. Ein Freistoß von Arnold Budimbu aus halblinker Position segelte Richtung Gehäuse. Torhüter Lennart Winkler stand weit vorne am Fünfmeterraum, machte im Moment der Ausführung einen Schritt nach vorne, und wurde überlupft. Der Ball senkte sich hinter ihm ins Tor. 2:1 für Bocholt in der 39. Minute. Wieder Rückstand. Wieder ein bitterer Moment. 

Doch die Antwort der Fortuna ließ nicht lange auf sich warten. Quasi mit dem Pausenpfiff eroberte Georg Strauch energisch den Ball von Dominik Lanius. Hamadi Al Ghaddioui nahm ihn mit dem Rücken zum Tor auf und legte clever auf Nico Thier ab. Der blieb ruhig, zielte präzise, und schob den Ball in die lange Ecke. 2:2 in der 45. Minute. Ein Treffer, der nicht nur den Ausgleich brachte, sondern auch das Momentum zurück auf die Seite der Fortuna.

Und als die zweite Halbzeit begann, wurde es noch besser. Gerade einmal 20 Sekunden waren gespielt, als Bocholt-Keeper Paul Grave einen Abschlag zentral ins Feld schlug. Georg Strauch reagierte sofort und köpfte den Ball direkt wieder in Richtung Strafraum. Enzo Wirtz ließ ihn mit der Brust abtropfen, und Adrian Stanilewicz war zur Stelle. Mit einer starken Bewegung setzte er sich gegen Lanius durch und schob den Ball aus kurzer Distanz mit dem rechten Fuß in die lange Ecke. 3:2 für die Fortuna. Der Jubel kannte keine Grenzen. Aus einem Rückstand war eine Führung geworden, und plötzlich hatte die Fortuna das Spiel komplett gedreht.

In der Folge zeigte die Mannschaft, warum sie in dieser Saison so konstant punktet. Mit viel Ruhe, cleverem Positionsspiel und großem Einsatz verteidigte sie die Führung. Bocholt versuchte noch einmal alles, suchte den Weg nach vorne und hoffte auf einen weiteren Fehler. Doch die Fortuna blieb konzentriert. In der Nachspielzeit hätte Joker Luca Majetic sogar alles klar machen können. Allein vor Keeper Grave hatte er das 4:2 auf dem Fuß, doch der Torhüter reagierte stark und verhinderte die endgültige Entscheidung. Kurz darauf musste auch Lennart Winkler noch einmal eingreifen und parierte einen Fernschuss von Cedric Euschen sicher.

Dann war Schluss. Die Fortuna hatte wieder einmal bewiesen, was sie in dieser Saison so stark macht: Moral, Zusammenhalt und die Fähigkeit, auch nach Rückschlägen zurückzukommen. Am Ende stand ein hart erkämpfter 3:2-Auswärtssieg, ein Spiel, das perfekt zeigte, warum diese Mannschaft ganz oben steht.

„Im Großen und Ganzen kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Fußball ist ein Fehlersport. Für mich ist es ein hergeschenkter Sieg. Wir wurden nicht an die Wand gespielt. Fortuna hat Qualität und spielt mit breiter Brust“, sagte Bocholts Coach Rene Lewejohann. 

Fortuna: Winkler, Fünger, Fischer (62. Statovci), Al-Azzawe, Afamefuna, Stanilewicz, Strauch, Geerkens (69. Majetic), Thier (90. Telle, Wirtz (90. Garcia), Al Ghaddioui (62. Galjen).

 

Tore: 1:0 Budimbu (12.), 1:1 Geerkens (29.), 2:1 Budimbu (39.), 2:2 Thier (45.), 2:3 Stanilewicz (46.). 

Nächste Begegnung
vs.
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Am Hünting