Winkler hält alles, Thier trifft: Fortuna erzwingt das Pokalhalbfinale
„Wir hätten in der ersten Halbzeit zurückliegen können. Aachen hatte ein sehr gutes Pressing. Es ist uns nicht gelungen Rhythmus aufzubauen. Aber ich will gar nicht so viel über das Spiel sprechen. Wir wollten weiterkommen, das war das Ziel. Wir können gut verteidigen, und wir sind effektiv. Wir können besser Fußball spielen, aber das ist egal, das interessiert nicht. Letztlich sind wir im Halbfinale“, sagte Matthias Mink.
Der Fortuna-Trainer änderte seine Startelf gegenüber dem 3:0 gegen den FC Gütersloh einmal: Robin Afamefuna rückte für Seymour Fünger in die Anfangsformation, Torjäger Enzo Wirtz blieb zunächst auf der Bank. Von Beginn an war klar: Das wird kein Fußballfest, das wird ein Abnutzungskampf. Aachen drückte, war gallig, gewann zweite Bälle. Die Fortuna kam kaum zur Entlastung.
Dann diese Szene: Vier Minuten vor der Pause tanzte sich Niklas Castelle durch den Strafraum und setzte den Ball an die Latte. Sekunden später musste Lennart Winkler gegen Omar Sillah alles riskieren, machte die kurze Ecke zu. In der 44. Minute räumte Sillah den vor ihm stehenden Georg Strauch mit einem Schubser beiseite und zog stark aus der Drehung ab, doch Winkler tauchte blitzschnell ab und parierte auch diesen Flachschuss. Ein Rückhalt, der seine Mannschaft im Spiel hielt, als es zu kippen drohte.
Weiter Winkler. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Jonas Oehmichen passte zu Castelle, der ließ klatschen, Sasa Strujic hatte freie Bahn im Strafraum, aber da stand ja noch dieser reaktionsschnelle Torhüter (54.).
Drei Minuten später. Ein langer Ball von Max Fischer. Eigentlich harmlos. Eigentlich. Doch plötzlich ist Nico Thier frei durch. Ein Wimpernschlag. Abschluss in die kurze Ecke. Tor. Das Südstadion bebte. 100 Dezibel. Aus dem Nichts führte die Fortuna, mit ihrer ersten echten Chance.
Doch vorbei war nichts. Aachen warf alles nach vorne. Distanzschüsse, Flanken, Kopfballverlängerungen. Wieder rettete Winkler. Nach 65 Minuten legte Strujic auf Bentley Baxter Bahn ab, dessen strammen Schuss aus 16 Metern wehrte der Keeper mit der Faust zur Ecke ab. In der Nachspielzeit dann die nächste Schrecksekunde: Eine Hereingabe von Luca Gaudino verlängerte Lamar Yarbrough mit dem Hinterkopf, wieder half der Pfosten. Dann der Abpfiff.
„Normalerweise dürfen wir dieses Spiel nicht verlieren. Es kommt ein langer Ball und der erste Torschuss ist drin. Ich kann der Mannschaft nichts vorwerfen. Wir waren zielstrebig und engagiert, wir hatten aber kein Glück. Das ist sehr bitter für uns“, sagte Gäste-Trainer Mersad Selimbegovic.
Die Fortuna war nicht die bessere Mannschaft. Aber sie war die effektivere. Die leidensfähigere. Die glücklichere. Und manchmal ist genau das der Stoff, aus dem Pokalträume gemacht sind. Die Revanche ist geglückt. Das Halbfinale erreicht.
„Das war ein hartes Stück Arbeit. Ich bin erleichtert und glücklich. Aachen hatte ein paar sehr gute Chancen. Der Gegner war ein guter, formstarker Drittligist. Uns war bewusst, dass wir leiden müssen. Unser Torwart hat zwei, drei Dinger überragend gehalten. Vorne müssen wir effektiv sein, das war heute der Fall. Wir wollen ins Finale, wir nehmen in der nächsten Runde, was kommt“, sagte Torschütze Nico Thier.
Fortuna: Winkler, Afamefuna, Fischer, Al Azzawe, Statovci (90. Brechmann), Strauch, Stanilewicz, Thier (87. Fünger), Garcia (72. Geerkens), Bornemann (62. Wirtz), Al Ghaddioui (75. Galjen).
Tor: 1:0 Thier (57.).
Zuschauer: 7.012.