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Wenn Zahlen laufen lernen: Catapult Tracker im Trainingsalltag der Fortuna

Die Spieler tragen sie in einer speziellen Weste zwischen den Schulterblättern, unter dem Trikot oder der Trainingskleidung. Jeder Fußballfan hat sie schon einmal gesehen: kleine, schwarze Geräte, die den Profis vor dem Training oder Spiel von einem Teammitglied eingesetzt werden. Doch wie funktionieren diese sogenannten Catapult Tracker eigentlich, und welchen Nutzen zieht das Trainerteam aus den gesammelten Daten?

Co-Trainer Martin Grund gab im Rahmen des Trainingslagers in Side einen ausführlichen und anschaulichen Einblick. Bei Fortuna ist er maßgeblich für die Auswertung der Tracking-Daten verantwortlich. Das Athleten-Tracking-System kommt vor allem im Leistungs- und Profisport zum Einsatz und erfasst während Training und Spiel zahlreiche Bewegungs- und Belastungsdaten.

„Ich habe eine Excel-Tabelle mit Formeln erstellt, in die ich nach jeder Einheit oder jedem Spiel die Werte eintrage. Das gibt uns eine sehr gute Übersicht über den Wochenrhythmus, um eine gezielte Belastungssteuerung der Spieler zu gewährleisten. So laufen wir nicht Gefahr, zu überpacen. Von Training zu Training können wir die Werte anpassen, sodass wir am Ende der Woche auf unser gewünschtes Gesamtvolumen hinarbeiten“, erklärt Grund. „Das Ganze ist für uns ein wichtiger Kontrollmechanismus. Ohne die Tracker wäre vieles nur subjektives Empfinden, so haben wir es schwarz auf weiß.“

Gemessen werden unter anderem die zurückgelegte Distanz, die Geschwindigkeit sowie die Anzahl der Sprints. Diese Daten ermöglichen es dem Trainerteam, die Trainingsbelastung gezielt zu steuern, Überlastungen und Verletzungen vorzubeugen, die Leistungsentwicklung zu analysieren, Trainingsinhalte individuell anzupassen und die Spielintensität objektiv zu bewerten. Zeigen die Werte eines Spielers über mehrere Tage hinweg eine ungewöhnlich hohe Belastung, kann das Trainingspensum entsprechend reduziert werden.

Dabei ist zu beachten, dass sich die Richtwerte je nach Position unterscheiden. „Ein Innenverteidiger läuft generell weniger als ein Stürmer und hat andere Belastungsanforderungen. Verletzungsprophylaxe ist ein wichtiger Aspekt. Läuft ein Spieler über einen längeren Zeitraum im roten Bereich, kann man ihn auch einmal aus einer Spielform herausnehmen. Ebenso werden Spieler nach Verletzungen schrittweise wieder herangeführt, auch dabei orientieren wir uns an diesen Werten“, so Grund.

„Jeder Spieler reagiert unterschiedlich auf Trainingsreize. Anhand von Erfahrungswerten aus zwei bis drei Monaten lassen sich aber gute Rückschlüsse ziehen. Wir betrachten vor allem das Gesamtvolumen und die Sprintleistung. Ein Sprint wird bei uns erst erfasst, wenn ein Spieler eine Geschwindigkeit von über 21 km/h erreicht“, erläutert Grund. Trotz aller Zahlen bleibt klar: Daten sind kein Selbstzweck. „Die Werte sind Anhaltspunkte“, betont Grund. „Es heißt nicht, dass ein Spieler automatisch besser spielt, nur weil er mehr läuft. Anhand der Werte wird keine Aufstellung gemacht.“

Vor dem Training oder Spiel legen die Spieler ihre Tracker an. Nach dem Aufwärmprogramm merkt sich Grund die Uhrzeit, um sogenannte Splits zu setzen und die Werte vergleichbar zu machen. Auf seinem Laptop kann er anschließend die Gesamtlaufleistung, die Sprintwerte sowie den Mannschaftsdurchschnitt einsehen. Nach jeder Einheit werden die Tracker eingesammelt, in der Ladestation aufgeladen und die Daten in das Catapult-System übertragen. Jeder Spieler besitzt dabei seinen eigenen, nummerierten Tracker.

„Im Training ist die Zeit für alle Spieler gleich. Im Spiel müssen die Splits jedoch individuell gesetzt werden, da die Einsatzzeiten variieren. Auch kurze Einsätze in der Nachspielzeit werden erfasst. Am Ende wird daraus ein Durchschnittswert berechnet“, erklärt Grund. Die Auswertung nimmt nach einer Trainingseinheit etwa eine Stunde in Anspruch, nach einem Spiel entsprechend länger. Im Anschluss werden die Daten per E-Mail an das gesamte Trainerteam sowie die Physiotherapeuten verschickt, sodass alle Beteiligten stets einen umfassenden Überblick über die Belastung der Spieler haben.

Der einzige Akteur, der keinen Tracker trägt, ist der Torhüter. „Wir haben darin keinen Sinn gesehen. Hier schaut der Torwarttrainer explizit drauf. Er soll sich auf Bälle fangen und Tore verhindern konzentrieren, da ist es nicht wichtig, wie viele Meter er macht“, sagt Grund, der am Laptop seine beiden Tabellen für Lauf- und Sprintleistung ausführlich erklärt. Die drei Spieler mit den besten Werten sind jeweils grün markiert, die drei Spieler mit den niedrigsten Werten rot gekennzeichnet. „Das muss man aber relativieren. Es macht einen Unterschied, ob ein Spieler 20 oder 90 Minuten auf dem Platz steht. Hierbei handelt es sich um eine absolute, rein farbliche Deklarierung.“

Die Sprintleistung wird in Metern, die Laufleistung in Kilometern erfasst. Daraus ergeben sich für den einzelnen Spieler, für Durchschnittswerte und für das Gesamtvolumen konkrete Kennzahlen, an denen sich das Trainerteam orientieren kann. Zudem lassen sich Spiele, insbesondere Ligapartien, hinsichtlich ihrer Intensität miteinander vergleichen. Durchschnittlich absolviert ein Fortuna-Spieler im Spiel eine Laufleistung zwischen elf und 13 Kilometern. Die Sprintwerte liegen im Schnitt bei rund 1.500 Metern, der Bestwert lag bei über 2.000 Metern. „Wenn ein Spieler in 90 Minuten 2.000 Meter im Sprint zurücklegt, weiß man auch, warum die Spieler nach einer Partie völlig erschöpft sind. Ein Normalsterblicher würde danach vermutlich eine Woche mit Muskelkater im Bett liegen“, sagt Grund.

Der Catapult Tracker hilft somit, Leistung messbar zu machen und Belastung intelligent zu steuern. Eine zentrale Regel lautet dabei: Das Training muss auf die Spielbelastung vorbereiten. Gleichzeitig gilt jedoch, dass die Daten zwar das „Was“, nicht aber das „Warum“ erklären. Sie müssen stets im Kontext des Spielsystems, der Position und der individuellen Historie eines Spielers interpretiert werden.

 

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