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Su Najar: „Mein Lächeln habe ich nie verloren“

Nach zwei Kreuzbandrissen und fast zwei Jahren Zwangspause kämpft sich Suheyel Najar Schritt für Schritt zurück. Der 31-Jährige hat wieder Spaß am Fußball, sammelt Spielpraxis und will bei der Fortuna schon bald wieder eine wichtige Rolle übernehmen. Im Interview spricht Su über die schwierige Zeit der Reha, die Kraft seines Glaubens, seine Comeback-Pläne und die aktuelle Torflaute der Kölner. Seine Botschaft: Den Optimismus darf man niemals verlieren.

Su, nach zwei Kreuzbandrissen hintereinander ist der Weg zurück besonders lang. Inzwischen trainierst du wieder mit der Mannschaft und hast für die U23 in Hennef und Wegberg-Beeck Spielpraxis gesammelt. Wie gut fühlt es sich an, endlich wieder auf dem Platz zu stehen? Und wie viel Su steckt schon wieder in dir?

„Das ist mit den beiden Kreuzbandrissen ist sehr bitter gelaufen. Umso besser fühlt es sich an, wieder auf dem Platz zu stehen. Bis auf die Unterbrechung der Vorbereitung und zweier Spieltage hatte ich fast zwei Jahre Pause. Ich habe wieder Spaß am Fußball. Ich muss aber gestehen, dass ich noch einen Weg vor mir habe. Technisch und was die Spielidee angeht, bin ich vielleicht sogar noch besser geworden, aber körperlich fehlt mir noch einiges. Da muss ich aufholen. Nach 22 Monaten Reha funktioniert das nicht einfach so. Ich kann noch viele Prozentpunkte zulegen.“

Zwei Kreuzbandrisse in so kurzer Folge sind nicht nur körperlich, sondern auch mental eine enorme Herausforderung. Gab es Momente, in denen du an dir oder deinem Comeback gezweifelt hast? Was hat dir die Kraft gegeben, immer weiterzumachen?

„Klar, ich bin keine 19 mehr. Ich trage Verantwortung für meine Frau und mein zweites Kind, das wir vor zwei Wochen bekommen haben. Da macht man sich schon Gedanken. Es geht nicht mehr nur darum, wieder auf dem Platz zu stehen. Kraft gibt mir mein Glaube. Alles passiert aus einem gewissen Grund. Man darf seinen Optimismus niemals verlieren. Am Ende wird es gut, und man versteht, warum es so gekommen ist.“

Nach einer so langen Pause willst du natürlich möglichst schnell zurück auf den Platz. Wie schwer fällt es dir, geduldig zu bleiben und deinem Körper die nötige Zeit zu geben? Musst du dich manchmal selbst bremsen?

„Ich weiß, dass ich noch Zeit brauche. Hier und da habe ich noch Wehwehchen und muss manchmal etwas auskurieren. Das ist aber völlig normal. Deshalb fällt es mir nicht besonders schwer, geduldig zu bleiben. Ich gebe Vollgas und bleibe dran. Ich will wieder eine Rolle spielen. Ich bin überzeugt, dass ich der Mannschaft mit meiner Spielweise helfen kann.“

Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Matthias Mink auf deinem Weg zurück? Gibt dir der Trainer das Gefühl, fest mit dir zu planen, sobald du wieder bei 100 Prozent bist?

„Ich bin mir sicher, dass mir die Türen offenstehen, sobald ich körperlich fit bin. Der Trainer gibt mir die notwendige Zeit und macht mir keinen Druck. Ich habe das Gefühl, dass ich dann gebraucht werde. Mit meiner Art zu spielen, könnte ich der Mannschaft sofort helfen. Entscheidend ist, dass ich die nötige Kraft und Ausdauer habe, um länger als eine halbe Stunde spielen zu können. Ich muss körperlich komplett da sein, die Meter machen und das immer wiederholen können. Ich hoffe, dass ich diese Themen bald in den Griff bekomme. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum Trainer und halte sehr viel von ihm.“

Mit Wehen Wiesbaden und Viktoria Köln hast du bereits zwei Stationen in der 3. Liga erlebt. Jetzt bist du mit der Fortuna in diese Spielklasse zurückgekehrt. Wie hat sich die Liga seit deinen letzten Erfahrungen verändert?

„Die 3. Liga ist verrückt. Jeder kann jeden schlagen, das sieht man Woche für Woche. Früher war sie medial nicht so präsent. Außerdem hat sie sich zu einem Sprungbrett in die Bundesliga entwickelt. Das jüngste Beispiel ist Ayoube Amaimouni-Echghouyab, der im Winter von Hoffenheim II zu Eintracht Frankfurt gewechselt ist. Und so viele Traditionsvereine auf einmal gab es bisher auch nicht.“

Die Fortuna tut sich momentan schwer mit dem Toreschießen. Als Stürmer kennst du Phasen, in denen der Ball einfach nicht ins Netz will. Was geht einem dann durch den Kopf? Und was würdest du deinen Mitspielern sagen, um ihnen das nötige Selbstvertrauen zurückzugeben?

„Solche Phasen kenne ich aus meiner Karriere. Ich war zwar nie der große Goalgetter, aber gerade dann muss man geduldig bleiben und darf nicht denken: Jetzt muss ich unbedingt treffen. Man muss sich auf das konzentrieren, was man kann, und darf sich nicht zu sehr von der Situation oder den Statistiken beeinflussen lassen. Wir können Tore schießen. Das kann sich innerhalb eines Spiels drehen, und plötzlich trifft ein Spieler dreimal. Wir müssen weitermachen, dranbleiben und nicht hektisch Dinge verändern. Denn wir machen es trotzdem gut. Der Knoten wird zeitnah platzen.“

Wer dich erlebt, kennt dich als gut gelaunten Su, der viel lächelt und positiv durchs Leben geht. War das auch während der langen Reha so, oder gab es Momente, in denen du dir dein Lächeln erst zurückerkämpfen musstest?

„Ich versuche, positiv durchs Leben zu gehen. In der Reha war ich auch dafür bekannt, dass es laut wird. Die ganze Halle hat mitbekommen, wenn ich da war. Das ist in Ordnung, das macht mich aus. Es gehört zu meiner Persönlichkeit, einen Raum auch verbal auszufüllen. Mein Lächeln habe ich nie verloren. Trotzdem gab es schwierige Momente, wenn man in der Reha wieder ausgebremst wird. Wenn aus sechs Monaten plötzlich zehn werden. In meinem Kopf hatte ich schon damit gerechnet, am vierten oder fünften Spieltag im Kader zu stehen. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht.“

Mit 31 Jahren hast du im Fußball schon einiges erlebt, schöne Erfolge, aber auch schwere Rückschläge. Hat dich die Zeit der Verletzungen als Mensch verändert? Und hast du bereits konkrete Pläne für die Zeit nach deiner aktiven Karriere?

„Ich habe sehr konkrete Vorstellungen. Von 2016 bis 2019 habe ich eine Laufbahn als Beamter begonnen und insgesamt sechs Jahre bei der Stadt Köln gearbeitet. Dort wird später hoffentlich wieder mein Platz sein als Kommunalbeamter. Ich würde gerne im sozialen Bereich arbeiten. Deshalb mache ich mir darüber keinen Kopf. Außerdem verfolge ich gerade eine Idee für eine Selbstständigkeit, die ich nebenbei weiterentwickeln möchte. Es geht um islamische Geschichte in Virtual Reality. Das ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Im November erhalte ich die Trainer B-Lizenz, in Zukunft sehe ich mich auch im Trainerbereich. Oder ich könnte mir vorstellen, im Ausland zu arbeiten. Ich bin flexibel. Aber ich bin noch nicht bereit, die Schuhe an den Nagel zu hängen.“

 

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