Im Dauerregen zum nächsten Dreier: Arbeitssieg in Velbert
Schon vor dem Anpfiff war klar, dass die Bedingungen schwierig werden würden. Der Regen hatte den Rasen schwer gemacht, die Temperaturen waren ungemütlich, und Velbert wollte dem Favoriten mit viel Leidenschaft entgegentreten. Genau so kam es auch: Die Gastgeber verteidigten kompakt, gingen aggressiv in die Zweikämpfe und versuchten immer wieder, das Spiel des Tabellenführers zu zerstören.
Trainer Matthias Mink hatte seine Mannschaft auf einer Position verändert, mit Rafael Garcia für Max Fischer in der Startelf, doch der Spielfluss wollte zunächst nicht so richtig entstehen. Vieles blieb Stückwerk, Pässe versprangen auf dem nassen Boden, und echte Torchancen waren zunächst Mangelware. Die beste Gelegenheit der ersten Halbzeit hatte sogar Velbert. Nach einer Hereingabe tauchte Timo Böhm plötzlich frei vor dem Tor auf und schloss aus kurzer Distanz ab. Doch Fortunas Schlussmann Lennart Winkler reagierte blitzschnell und parierte mit dem linken Fuß.
Auch Mink sah eine schwierige erste Hälfte: „Der Platz war schwer bespielbar, der Gegner war unangenehm. In der ersten Halbzeit war es ein chancenarmes Spiel, fehlerreich bei uns.“ Dann kam die Situation, die solche engen Spiele oft entscheidet: ein Standard. Wenn aus dem Spiel heraus wenig funktioniert, kann ein ruhender Ball die Wende bringen, und genau das passierte kurz vor der Pause. Eine Ecke von Robin Afamefuna segelte von der rechten Seite in den Strafraum. In der Mitte setzte sich Hamadi Al Ghaddioui durch und köpfte den Ball präzise ins lange Eck zum 0:1.
Für den Stürmer war es bereits das zehnte Saisontor, und entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Treffer: „Das war ein wichtiger Sieg. Velbert hat stark gespielt. Freitagabend, Flutlichtspiel, die haben alles reingeworfen und es uns sehr schwer gemacht“, sagte Al Ghaddioui nach der Partie. Mit einem Augenzwinkern ergänzte er zu seinem Kopfballtor: „Mit 1,90 Meter Körpergröße darf man auch mal einen Kopfball reinmachen. Wir haben das diese Woche trainiert.“
Die Führung tat Fortuna gut, doch Velbert steckte keineswegs auf. Im zweiten Durchgang wurden die Gastgeber sogar noch mutiger. Sie pressten höher, gingen entschlossener in die Zweikämpfe und erspielten sich mehrere gefährliche Aktionen.
So jagte Calvin Mockschan einen Drehschuss Richtung Tor, der auf der Oberkante der Latte landete, ein Moment, bei dem Fortuna kurz durchatmen musste. Wenig später prüfte auch Al Ghaddioui auf der anderen Seite Velberts Torhüter Kevin Jackmuth, der jedoch stark parierte.
Die größte Schrecksekunde für die Gäste folgte gut 20 Minuten vor dem Ende. Der eingewechselte Philip Buczkowski zog aus rund 25 Metern ab. Wieder war Winkler zur Stelle und lenkte den Ball zur Seite. Doch der Abpraller landete direkt vor den Füßen von Velberts Kapitän Felix Herzenbruch, aus nur einem Meter Entfernung schoss er allerdings an den kurzen Pfosten. Ein Moment, der das Spiel hätte kippen lassen können.
Doch Fortuna überstand diese Phase, und schlug wenig später eiskalt zu. Elf Minuten vor Schluss setzte Rafael Garcia zu einer präzisen Flanke von der linken Seite an. Der Ball segelte perfekt in den Strafraum, wo Nico Thier völlig frei stand und aus rund acht Metern per Kopf zum 0:2 traf. Damit war die Partie praktisch entschieden. Trainer Mink sprach nach dem Spiel von einem typischen Arbeitssieg seiner Mannschaft: „Auch in der zweiten Halbzeit ist uns nicht viel gelungen. Aber das 2:0 war schön herausgespielt. Lennart Winkler hält uns zweimal im Spiel. Es war ein Arbeitssieg, den wir gerne mitnehmen.“ Verzichten muss Mink im nächsten Heimspiel gegen Rödinghausen auf den gelbgesperrten Georg Strauch.
Auf der anderen Seite war die Enttäuschung groß, auch wenn Velberts Trainer Bogdan Komorowski seiner Mannschaft ein großes Kompliment machte: „Wir haben dem Primus der Liga einen Fight geliefert. Zwei Nachlässigkeiten führten zu den Gegentoren. Ein Remis wäre verdient gewesen.“ Trotzdem erkannte er auch die Qualität des Tabellenführers an: „Fortuna hat in der Breite die beste Mannschaft der Liga.“
Mit diesem Sieg baut die Fortuna ihren Vorsprung an der Spitze weiter aus. Der Abstand auf Verfolger Rot-Weiß Oberhausen beträgt nun elf Punkte, ein komfortables Polster im Aufstiegsrennen. Die Konkurrenz muss morgen nachziehen. Es war kein glänzender Fußballabend. Aber genau solche Spiele entscheiden oft eine Saison: schwierige Bedingungen, ein unbequemer Gegner, und am Ende nimmt der Tabellenführer trotzdem die drei Punkte mit nach Hause.
Fortuna: Winkler, Afamefuna, Fünger, Al-Azzawe, Strauch (88. Majetic), Geerkens (88. Statovci), Stanilewicz, Thier (79. Galjen), Garcia (79. Hekmat), Wirtz, Al Ghaddioui (71. Michelbrink).
Tore: 0:1 Al Ghaddioui (39.), 0:2 Thier (79.).
Zuschauer: 1.040.