Erstes Halbfinale gegen Bonn: Alte Erinnerungen, neue Bühne
Am 12. Mai 2021 behielt die Fortuna im Südstadion die Oberhand. Beim 3:2-Erfolg im Viertelfinale, damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit, legte die Mannschaft von Trainer Alexander Ende früh den Grundstein. Su Najar traf bereits in der 13. Minute zur Führung. „An das Tor kann ich mich noch erinnern. Nach einem abgewehrten Einwurf habe ich mir ein Herz gefasst und mit rechts aus 20 Metern stramm in die kurze Ecke geschossen“, sagt Najar, der zu Beginn der Saison in die Südstadt zurückkehrte und mittlerweile auf 73 Spiele (15 Tore, 35 Vorlagen) für die Fortuna kommt.
Francis Ubabuike erhöhte nach Vorarbeit von Jannik Löhden auf 2:0 (35.), ehe Hamza Salman nach Zuspiel von Mike Owusu in der 61. Minute auf 3:0 stellte. Alles schien entschieden, bis der Bonner SC spät zurückschlug. Daniel Somuah (82.) und Dario Schumacher (83.) verkürzten mit einem Doppelschlag und sorgten für eine nervenaufreibende Schlussphase. Ein Spiel, das längst entschieden schien, bekam plötzlich wieder Puls.
So spielte die Fortuna: Rauhut, Lanius, Löhden, Rumpf, Ochojski (46. Itter), Försterling (63. Brock), Hölscher, Salman, Najar (59. Nadjombe), Ubabuike (73. Özden), Owusu.
Vier Jahre zuvor hatte die Fortuna im Finale eine schmerzhafte Erfahrung gemacht. Am 25. Mai 2017 unterlag das Team von Trainer Uwe Koschinat im Sportpark Nord vor 6.643 Zuschauern mit 0:1. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, lange offen, lange ausgeglichen, bis ein Moment alles veränderte. Dario Schumacher traf in der 57. Minute mit einem Sonntagsschuss und schrieb damit Pokalgeschichte.
Lars Bender, der 152 Spiele für die Fortuna absolvierte, erinnert sich vor allem an diesen Augenblick: „Das Traumtor von Schumacher ist mir natürlich noch präsent, den Rest habe ich mittlerweile verdrängt. Letztlich war alles für uns angerichtet. Aufgrund der Liga-Zugehörigkeit und des Spielermaterials wurden wir im Vorfeld sozusagen als die bessere Mannschaft angesehen. Flotti ist dann auch noch in seinem letzten Spiel für Fortuna mit Gelb-Rot vom Platz geflogen.“
Dabei hätte das Spiel auch kippen können. Die Fortuna traf gleich zweimal den Innenpfosten: Erst zimmerte Markus Pazurek den Ball wuchtig ans Aluminium (36.), nur eine Minute später wiederholte Christopher Theisen dieses Pech aus ähnlicher Distanz. Hamdi Dahmani staubte zwar ab, stand jedoch im Abseits. Kurz darauf folgte die entscheidende Szene: Schumachers satter Linksschuss aus rund 16 Metern schlug unhaltbar für Andre Poggenborg ein, 1:0 für Bonn. Nach der Gelb-Roten Karte für Daniel Flottmann (89.) spielten die Gastgeber die Zeit routiniert herunter und sicherten sich den ersten Pokalsieg ihrer Vereinsgeschichte.
Für Mario Weber, damals im Trikot des Bonner SC, jetzt bei der U23 der Fortuna, bleibt dieser Tag unvergessen: „Das war ein sehr schönes Erlebnis für mich. Wir waren trotz des Heimvorteils der Underdog. Wir hatten im Halbfinale schon die Viktoria ausgeschaltet und hatten Selbstvertrauen getankt. Ich erinnere mich an Herzklopfen bei den Pfostenschüssen und natürlich an das Traumtor von Schumi, der den Ball mit seinem schwachen linken Fuß oben reinknallt. Eine Viertelstunde vor Schluss hatte ich einen Zweikampf mit Hamdi Dahmani, der mir auf den Fuß tritt, mein ganzer Zehennagel war durchgebrochen, alles war voller Blut im Schuh nach dem Spiel. Sehr schmerzhaft, aber trotzdem ein glücklicher Tag.“
So spielte die Fortuna: Poggenborg, Flottmann, Mimbala, Uaferro, Röcker (63. Alibaz), Pazurek, Theisen, Bender, Kessel (80. Burger), Souza (75. Bösing), Dahmani.