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Der nächste Gegner: Al Ghaddoui kehrt nach Verl zurück

Hamadi Al Ghaddioui ist in seiner Fußballkarriere schon weit herumgekommen. Umso weniger überrascht es, dass der 35-Jährige auch bereits das Trikot des SC Verl getragen hat. Von 2014 bis 2016 lief der Stürmer für die Ostwestfalen auf und erzielte in 69 Spielen der Regionalliga West 33 Tore und 14 Vorlagen. Am Samstag (14 Uhr) kehrt Al Ghaddioui nun mit der Fortuna in die Sportclub Arena zurück.

„In Verl ist es ähnlich wie bei der Fortuna. Es herrscht ein sehr familiärer Umgang, von der Geschäftsstelle bis zum Team. Seit dem Aufstieg in die 3. Liga machen sie es richtig gut. Der Ort ist klein, gefühlt kennt jeder jeden. Gerade für junge Spieler ist es eine gute Umgebung, um sich in Ruhe weiterzuentwickeln. Das ist eine schöne Plattform, du hast nicht den Druck wie bei anderen großen Vereinen“, sagt Al Ghaddioui über seinen ehemaligen Klub.

Sein eigenes Selbstvertrauen dürfte derzeit groß sein. Am vergangenen Wochenende führte der Angreifer die Mannschaft von Trainer Matthias Mink mit einem Hattrick beim 3:1 gegen Eintracht Hohkeppel in die zweite Runde des Bitburger-Pokals. Eine Woche zuvor hatte er beim 1:1 gegen Alemannia Aachen im Südstadion per Kopf die große Chance zum Sieg vergeben. Stürmer-Schicksal.

„Ein Stück weit ist das auch das Spiel des Stürmers. Du kannst nicht jede Chance nutzen, auch wenn ich mir wünschen würde, dass das so wäre. Egal, ob es gut läuft oder mal weniger gut: Du musst immer mit voller Leidenschaft, Selbstbewusstsein und Energie an dir arbeiten und versuchen, das Beste daraus zu machen. Du darfst dich nicht aus der Bahn werfen lassen“, sagt Al Ghaddioui.

Die 3. Liga kennt der 35-Jährige bereits aus seiner Zeit bei den Sportfreunden Lotte und beim SC Freiburg II. Seitdem hat sich die Spielklasse aus seiner Sicht spürbar weiterentwickelt. „Seit meiner Zeit in Lotte und Freiburg hat die 3. Liga große Schritte nach vorne gemacht. Von Jahr zu Jahr wurde die Liga qualitativ besser. Vom Spielverständnis, der Intensität und der Körperlichkeit ist jetzt alles einen Tick mehr gefordert. Es geht darum, wenig Fehler zu machen und sehr souverän zu spielen. Dass es nicht immer ein fußballerischer Leckerbissen ist, weiß auch jeder. Teilweise wird sehr einfach gespielt, viel mit langen Bällen agiert. Am Ende des Tages ist es auch nur Fußball, jeder kocht mit Wasser.“

Beim SC Verl mussten sich die Fans nach dem Rekordjahr mit Platz sechs und 64 Punkten auch in dieser Saison an zahlreiche neue Gesichter gewöhnen. Der Umbruch im Sommer war groß: Insgesamt 15 Spieler verließen den Klub, darunter mehrere Leistungsträger. Berkan Taz (VfL Bochum), Timur Gayret (SC Paderborn), Alessio Besio (VfL Wolfsburg) und Oualid Mhamdi (FC Heidenheim) kamen in der vergangenen Saison gemeinsam auf 91 Scorerpunkte. Auch Trainer Tobias Strobl verließ Verl und schloss sich Bundesliga-Absteiger Wolfsburg an.

Sportchef Zlatko Janjic installierte mit Orest Shala einen ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Nachfolger. Der 34-Jährige war im Profibereich bislang lediglich in der dritten portugiesischen Liga bei CD Mafra tätig. In Verl soll er die Spielidee seines Vorgängers weiterführen. 

Auch bei der Kaderplanung setzte der Sportclub auf ein klares Profil: jung, entwicklungsfähig und spielerisch stark. Nick Seidel (Jahn Regensburg/21), Mika Clausen (Erzgebirge Aue/24), Tim Hoffmann (Hertha BSC II/21) und Tim Heike (MSV Duisburg/26) bringen zumindest Drittliga-Erfahrung mit. Rechtsverteidiger Janne Berner (21) kam für ein Jahr auf Leihbasis von Hertha BSC.

Für Kreativität im Mittelfeld soll künftig Bilal Yalcinkaya (Hamburger SV/20) sorgen. Große Erwartungen ruhen zudem auf Torhüter Timo Schlieck (20), der von RB Leipzig ausgeliehen wurde. In der Offensive soll der philippinische Nationalspieler André Leipold (24), der vom tschechischen Erstligisten FK Pardubice kam, für Torgefahr sorgen. Mit Joshua Eze steht zudem ein ehemaliger Fortune weiterhin im Kader. Gerade offensiv ist der Kader allerdings nach wie vor dünn besetzt.

Der Saisonstart der Ostwestfalen verlief entsprechend holprig. Sowohl in Aachen als auch gegen den MSV Duisburg zeigte Verl zunächst gute Ansätze und führte jeweils zur Pause beziehungsweise zwischenzeitlich mit 1:0 beziehungsweise 2:0. Am Ende standen jedoch zwei Niederlagen, 1:4 in Aachen und 2:4 gegen Duisburg. Gegen die Zebras sah Innenverteidiger Paul Lehmann die Gelb-Rote Karte und fehlt am Samstag gesperrt.

Auch im DFB-Pokal musste Verl zuletzt eine Niederlage hinnehmen. Am Montag unterlag die Mannschaft von Orest Shala dem Hamburger SV vor eigenem Publikum mit 0:3. Anschließend bemängelte der Trainer die fehlende Vollstrecker-Mentalität seiner Mannschaft.

Dennoch weiß man in Verl mit schwierigen Saisonstarts umzugehen. In der vergangenen Spielzeit musste der Sportclub bis zum fünften Spieltag auf den ersten Sieg warten. Ein Jahr zuvor standen die Schwarz-Weißen nach zehn Spieltagen sogar auf dem vorletzten Tabellenplatz, am Ende sprang dennoch Rang sieben heraus. 2023/24 startete Verl mit drei Niederlagen, 2022/23 holte die Mannschaft nur einen Punkt aus den ersten fünf Partien. 

Ein Muster zeichnet sich damit ab: Ein holpriger Start ist in Verl noch lange kein Grund zur Panik. In ernsthafte Abstiegsgefahr gerieten die Ostwestfalen in den vergangenen Jahren trotz solcher Fehlstarts nie. Für die Fortuna dürfte die Aufgabe am Samstag dennoch anspruchsvoll werden, und für Al Ghaddioui ist es die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte.

 

 

 

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