Ben Zich: „Es ist schön, dass es diese Fußballromantik noch gibt“
Ben, du kommst aus einer echten Sportlerfamilie. Deine Schwester Lucy spielt sehr erfolgreich Hockey, dein Vater Thomas hat bei Fortuna Düsseldorf Fußball gespielt, deine Mutter Nadine war Leichtathletin. Wie ist das im Hause Zich? Wird da auch viel über Sport diskutiert und analysiert?
„Durch meine Schwester, die dreifache Deutsche Meisterin ist, habe ich auch eine Verbindung zum Hockey bekommen. Ich war bei vielen ihrer Spiele dabei und kenne mich mittlerweile auch sehr gut in dieser Sportart aus. Es hilft uns beiden, dass wir jeweils wissen, was es bedeutet, Leistungssport zu betreiben. Mama und Papa unterstützen uns und bringen ihre eigenen Erfahrungen aus dem Sport mit ein. Da Lucy jetzt in Amerika ist, ist der Austausch etwas schwieriger geworden. Für uns beide war das aber ein wichtiger Bestandteil unserer sportlichen Entwicklung.“
Du hast zuletzt in Kerkrade nicht besonders viel gespielt. Würdest du diese Zeit eher als schwierig oder als interessante Erfahrung bezeichnen? Was hast du daraus für dich mitgenommen?
„Wenn man nicht spielt, ist das gerade in jungen Jahren nicht immer einfach. Es war aber eine Erfahrung, die mich während meiner gesamten Karriere begleiten wird. In Kerkrade hatte ich eine super Mannschaft und eine tolle Stimmung in der Kabine. Natürlich gab es auch schwierige Phasen, aber rückblickend würde ich die Zeit als positiv bewerten. Es war schon ein cooles Jahr.“
Bei der Fortuna bist du der Herausforderer von Lennart Winkler. Bisher bist du vor allem im Pokal und in Testspielen zum Einsatz gekommen. Wie ist euer Verhältnis zueinander? Und wie gehst du persönlich mit dieser Rolle um?
„Lenny und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Das ist innerhalb eines Torwartteams besonders wichtig und spiegelt sich auch in den Leistungen wider. Ich habe bisher nur Pokal- und Testspiele bestritten, aber ich glaube, dass ich das ordentlich gemacht habe. Lenny macht es in seinem ersten Drittliga-Jahr momentan ebenfalls sehr gut. Meine Aufgabe ist es, ihn bestmöglich zu unterstützen, mit positiven Worten und durch die gemeinsame Arbeit im Training. So pushen wir uns gegenseitig auf die nächste Stufe. Da sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir lernen viel voneinander, und es macht großen Spaß. Natürlich würde ich mir auch Einsatzzeit in der 3. Liga wünschen. Das steht für mich aber erst einmal nicht im Vordergrund.“
Dein Torwarttrainer Tetsuo Taguchi sagt über dich: Du bist noch jung, verfügst aber bereits über viel Erfahrung. Du erkennst Situationen früh und findest auch mit dem Ball am Fuß gute Lösungen. Dazu kommt mit 1,90 Metern eine sehr gute Reichweite. Wie würdest du dich selbst als Torwart beschreiben? Wo liegen deine größten Stärken?
„Tetsuo hat es gut auf den Punkt gebracht. Ich habe sehr gerne den Ball am Fuß und suche nach Lösungen im Spielaufbau. Meine Größe und Reichweite kommen mir in der Raumverteidigung, bei hohen Bällen und bei Schüssen zugute. Ich habe eine relativ große Spannweite und lange Beine. Das sind natürlich Vorteile. Wenn ich eine Stärke hervorheben müsste, wäre es auf jeden Fall das Fußballerische.“
Du hast bereits Stationen in Düsseldorf, Mönchengladbach und Kerkrade hinter dir. Was unterscheidet die Fortuna von deinen bisherigen Vereinen? Was macht den Verein für dich besonders?
„Kerkrade würde ich ein wenig ausklammern. Dort ist es ähnlich, auch was die Fanbase angeht, vielleicht sogar noch etwas größer, auch durch die Verbindung zu Aachen. Die Fortuna ist sehr familiär. Hier gibt es viele Menschen im Hintergrund, die den Verein leben und lieben. Das spürt man als Spieler und weiß, wofür man auf dem Platz steht. Natürlich ist hier alles eine Nummer kleiner als in Düsseldorf oder Mönchengladbach. Für mich macht das den Verein aber auch nahbarer. Ich fühle mich hier sehr wohl. Es ist schön zu sehen, dass es diese Fußballromantik im deutschen Profifußball auch noch gibt.“
Nach der Länderspielpause wartet direkt eine englische Woche auf euch: mit den Spielen gegen den 1. FC Saarbrücken, bei Rot-Weiss Essen und gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart. Was erwartest du von diesen drei Partien? Und worauf wird es aus deiner Sicht besonders ankommen?
„Das werden drei brutal schwere und wichtige Spiele für uns. Wir haben in den ersten sieben Spielen gezeigt, dass alles möglich ist und wir mit jedem Gegner mithalten können. Wir wollen einfach weiter Punkte sammeln. Saarbrücken und Essen sind sehr gut gestartet. Aber wer ins Südstadion kommt, muss die Punkte hier auch erst einmal holen. Wenn wir geschlossen auftreten und unsere hundert Prozent abrufen, werden wir auch in der englischen Woche erfolgreich sein.“