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Al-Azzawe trotzt Anfeindungen und schießt Fortuna zum Sieg

Dass Haider Al-Azzawe die Fortuna mit seinem Tor am Samstag auf die Siegerstraße im Paul-Janes-Stadion brachte, fühlte sich an wie die perfekte Antwort auf einen Nachmittag voller Emotionen und Ungerechtigkeiten. 90 Minuten lang stand er im Zentrum eines Spießrutenlaufs, auf und neben dem Platz, begleitet von Gebrüll, Pfiffen und offener Ablehnung. Dabei war er längst auf allen Ebenen vom Rassismus-Vorwurf freigesprochen worden, doch für die Düsseldorfer blieb er der Sündenbock. Selbst der sonst selbstverständliche Handschlag vor dem Anpfiff wurde ihm und seinem Team demonstrativ verweigert, ein Moment, der Fairplay mit Füßen trat und die Stimmung endgültig aufheizte. Umso kraftvoller war die Antwort: eine hochmotivierte Fortuna, die vor 1.205 Zuschauern mit 2:0 gewann.

„Es war ein hitziges Spiel. Schon vor dem Anpfiff haben die Düsseldorfer Spieler uns den Handschlag verweigert, das gehört sich nicht. Das hat uns zusätzlich motiviert. Auch die ständigen Pfiffe und Rufe gegen Haider waren nicht in Ordnung. Unsere Mentalität kann man uns dadurch aber nicht nehmen. Wir sind eiskalt geblieben und haben es am Ende in Überzahl souverän runter gespielt“, sagte Kevin Brechmann. 

Sein weiter Einwurf leitete die Erlösung ein: Hamadi Al Ghaddioui verlängerte mit der Hacke, und Al-Azzawe stocherte den Ball entschlossen in die lange Ecke (63.), ein Tor wie ein Befreiungsschlag. Als Adrian Stanilewicz später per Kopf verlängerte, war es Joker Timo Bornemann, der eiskalt zum 2:0 vollendete (79.) und die Emotionen endgültig in Jubel verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt spielte Fortuna längst in Überzahl.

Die erste Halbzeit hatte zuvor alle Grenzen gesprengt: sieben Gelbe Karten, die zehnte für Tom Geerkens und schließlich die Gelb-Rote für Düsseldorfs Kilian Sauck (45.+1) waren Ausdruck eines Spiels, das jederzeit zu kippen drohte. Rudelbildungen, Provokationen und hitzige Wortgefechte bestimmten das Bild, der Fußball geriet dabei fast zur Nebensache.

„Es war ein sehr emotionales Spiel, teilweise war es auch ein bisschen drüber. Wir hatten schon in der ersten Hälfte ein paar gute Möglichkeiten, da ist uns leider kein Tor gelungen. Mit der Überzahl hatten wir noch mehr den Ball. Heute war wieder ein Standard ein wichtiger Aspekt. Summa summarum ist der Sieg verdient, er war hart erarbeitet. Wir haben in der Liga vorgelegt und jetzt brennt die Mannschaft auf einen Sieg am Mittwoch im Pokal“, sagte Trainer Matthias Mink.

„Vom Schiedsrichter hätte ich mir heute etwas mehr Ruhe gewünscht, er hat manche Szenen angezündet und sich mitreißen lassen. Bis zur Gelb-Roten-Karte konnten wir noch gut dagegenhalten. Mein Torwart hatte auch einen sehr guten Tag. In der zweiten Halbzeit hatten wir auf Strecke nicht mehr die Körner“, sagte Düsseldorfs Coach Jens Langeneke.

Fortuna: Winkler, Brechmann, Fünger, Al-Azzawe, Afamefuna, Geerkens (54. Garcia), Strauch, Stanilewicz (87. Michelbrink), Thier (54. Majetic), Wirtz (74. Bornemann), Al Ghaddioui (87. Galjen).

Tore: 0:1 Al-Azzawe (63.), 0:2 Bornemann (79.). 

Zuschauer: 1.205. 

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